Zwischen Mangel und Überfluss
Shownotes
Tobias Käufer beschreibt, wie Lateinamerikas Ernährungssysteme zwischen Exportboom und Versorgungskrisen schwanken – mit erheblichen Auswirkungen auf Politik, Proteste und Stabilität.
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00:00:00: Zwischenmangel und Überfluss.
00:00:02: Wir Lebensmittel in Lateinamerika Politik machen, von Tobias Käufer.
00:00:08: Versorgungskrise in Kuba Strafzölle gegen brasilianische Orangensaft oder Rekordweizenärnte in Argentinien.
00:00:15: Grundnahrungsmittel beeinflussen politische Entwicklungen in den lateinamerikanischen Staaten maßgeblich.
00:00:22: Ein GPS gesteuertes Sprühfahrzeug ein Mähdrescher von New Holland mit zweihundert fünfundvierzig PS Traktoren und Anhänger bilden den beeindruckenden Vorpark von Wilmar de Castro, fifty-two.
00:00:35: Und wie alle Bauern auf der Welt ist de Castro stolz auf das was er seine Familie und seine Handvollhelfer leisten.
00:00:43: Wir sind ernährer keine Zerstörer sagt de Castro und spielt damit direkt auf die Kritik aus Europa an der südamerikanischen Agrarindustrie an.
00:00:52: Diese gilt als hoch effizient ökonomisch erfolgreich aber auch als ökologisch umstritten.
00:00:58: In Europa gingen viele Landwirte aus Protest gegen das jüngst unterzeichnete Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay auf die Straße.
00:01:10: Ob Weinbauern in Frankreich oder Getreideproduzenten aus Deutschland?
00:01:14: Die Konkurrenz von Rotweiners Argentinie oder Weizenhaus Brasilien macht ihnen Angst!
00:01:19: Und das hat auch Auswirkungen auf das Wahlverhalten – und damit die politischen Richtungsentscheidungen.
00:01:25: Das musste US-Präsident Donald Trump erfahren Als er Brasilien in einem Streit mit Zöllen belegte, wurde Orangensaft und Kaffee in den USA teurer.
00:01:33: Nach wenigen Wochen legte Trump die Zölle zu den Akten.
00:01:37: Der Brasilianer Wilma de Castro ist Soja-und Maisproduzent aus dem Amazonasbundestadt Para.
00:01:44: Hier werden heute noch große Waldflächen etwa für den Sojaanbau gerodet.
00:01:48: Auch für uns ist es wichtig, den Wald zu erhalten.
00:01:51: Das ausgerechnet die Europäer Brasilien kritisieren – wo sie doch selbst auf ehemaligen Waldflichen produzieren empfindet er als ungerecht!
00:01:59: Er habe gehört, dass Deutschland früher aus großen Waldflächen bestand.
00:02:02: Heute seien dort Ecker und
00:02:03: Felder.".
00:02:05: Mit zweiundzwanzig Hektar Land besitzt er eine für brasilianische Verhältnisse kleine Anbaufläche.
00:02:29: die sogenannten Clubs, lokale Komitees für Versorgung und Produktion in Venezuela oder die Rekord-Ernten in Brasilien.
00:02:37: Ernten Lebensmittelpreise und die Versorgungen mit Grundnahrungsmitteln können Regierungen stürzen oder in massive Schwierigkeiten bringen.
00:02:45: Denn kaum ein anderes Produkt ist von so elementare Bedeutung für jeden einzelnen Menschen wie Lebensmittel.
00:02:51: Wer in den Laden um die Ecke oder in den Supermarkt geht spürt die Preisveränderungen sehr schnell am eigenen Geldwörter.
00:02:58: Wenn wir in Pandemie- oder Krisenzeiten die Lebensmittel teurer werden, wächst ein Gefühl der Unsicherheit.
00:03:05: Lebensmittel und Armut in Argentinien.
00:03:08: Besonders ausgeprägt ist das Thema in Argentinen!
00:03:12: Wenn die Universidad Catolica Argentina zum Ende eines Quartals die Armutsquote veröffentlicht dann löst es in dem südamerikanischen Land nahezu immer eine politische Debatte aus.
00:03:23: In Argentinien ist die Quote zur Halbzeit der Präsidentschaft des Libertärenpräsidenten Xavier Millay mit thirty-six Prozent auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gefallen.
00:03:33: Die Armutsquote setzt sich neben den anderen Faktoren auch aus dem Preisen für Grundnahrungsmittel wie Milch, Fleisch oder Brot zusammen.
00:03:42: Steigen die Preise für Lebensmittel überdurchschnittlich an fallen viele Menschen unter die Armutsgrenze und es gibt massive Proteste.
00:03:49: Gibt es aber eine Inflationsstabilisierung?
00:03:52: und eine teilweise Erholung der Arbeitseinkommen, Transferleistungen- und Sozialschutzsysteme wie die UCR zuletzt feststellte.
00:03:59: Dann springen einige Einkommen wieder über die Armutsgrenze.
00:04:03: Für Präsident Javier Millay ist das erst einmal ein Erfolg – doch die UCR hat auch eine schlechte Nachricht!
00:04:10: Noch ist keine strukturelle Erholing in der sozialen Lage zu erkennen.
00:04:16: Politikwissenschaftlerin an der privaten Universität Ukema in Buenos Aires erklärt, wie sich das auf den Alltag der Menschen auswirkt.
00:04:24: Die wichtigste Veränderung ist die reduzierende Inflation – sie hat das Leben der Menschen deutlich verändert!
00:04:29: Ende des Jahres haben wir mit dem Geld für das wir heute ein Kilo Brot gekauft haben am nächsten Tag schon nicht mehr die gleiche Menge bekommen.
00:04:38: Dass sich die Inflationsstabilisiert hat und die Menschen nun wieder ein Stück weit Lebensmittelplanungssicherheit wirkte sich auch auf die letzten Wahlen aus.
00:04:46: Bei den Parlamentswahlen vor einigen Wochen konnte das Libertärer Lager um Millet einen deutlichen Sieg einfahren.
00:04:52: Zu Beginn von Millets Amtszeit sorgte der spanische Armenpriester und Befreiungstheologe Francisco Paco Oliveira mit der Drohung für Aufsehen, Millet-Wählern würde künftig der Zugang zu dem von ihm betreuten Suppenküchen verweigert.
00:05:07: Ein Pfund im brasilianischen Wahlkampf, Auch in Brasilien weiß Präsident Luis Inasio Lula das Silber um die Bedeutung dieser Zahlen.
00:05:16: Im Sommer im Jahr zwanzig strichte Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Brasilien von ihrer sogenannten globalen Landkarte des Hungers.
00:05:26: Diese Schlagzeile ging um die Welt – nicht aber die Details!
00:05:30: In acht der elf Bewertungsmaßstäbe hatte sich die Ernährungssituation für die Bevölkerung sogar verschlechtert.
00:05:36: Dennoch erklärt die Regierung vor Präsident Lola den Kampf gegen den Hunger für erfolgreich beendet.
00:05:42: Der Hunger, so die offiziellen Statistiken sei besiegt.
00:05:46: Ein Pfund mit dem Die Linke Regierungspartei Partido dos Trabajaldores – Partei der Arbeiter im Wahljahr year-zwei-tausendzechs und zwanzig Punkten will.
00:05:54: Ein besonders heikeles Thema ist die seit Jahren anhaltende Lebensmittelversorgungskrise in Venezuela.
00:06:00: Die Regierung des ehemaligen Machthabers Nicolás Maduro rief deshalb, dass bereits erwähnte Lebensmittelverteilungsprogramm KLAB ins Leben.
00:06:09: Es soll Lebensmittel an die bedürftige Bevölkerung liefern – steht jedoch seit seiner Einführung in scharfe Kritik.
00:06:14: Die Opposition kritisiert die KLABLieferungen sein an politische Loyalität geknüpft.
00:06:19: Nur weil sich zu den Regierenden Sozialisten bekenne, werde mit den staatlichen Lebensmittelliefererungen
00:06:24: bedacht.".
00:06:26: Der Staat zwinge damit die Bedürftigen in eine Abhängigkeit von der Regierung.
00:06:30: In den letzten Jahren gab es deswegen Plünderungen und Proteste gegen das Klappsystem.
00:06:36: Cuba importiert mehr Lebensmittel aus den USA, besonders dramatisch ist die Lage auf Cuba – dass ein Parteien-Regime schafft es nicht mehr, die eigene Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen.
00:06:47: Worüber die Machthaben in Havana ungeansprechen, ist der deutliche Anstieg von Lebensmittelimporten aus den In den ersten neun Monaten des Jahres, twenty-fünfundzwanzig importierte Kuba laut Angaben des US Landwirtschaftsministeriums landwirtschaftliche Produkte im Wert von dreihundertfünfundfünfzig Millionen Dollar aus den USA.
00:07:05: Fünfzehn Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
00:07:08: Besonders stark gefragt?
00:07:10: Schweinefleisch!
00:07:12: Zwischen Januar und September, twenty-fünfundzwanzig kaufte die Karibikinsel vom ideologischen Tod für ein Schweinefleisch im Wert von dreiunddreißig Komma sechs Millionen Dollar mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Jahres.
00:07:23: Zweiundzwentzig Entwicklungen, die dem eigenen Anspruch von Ernährung souveränität unter lautstöcken Kritik am Embargo der Vereinigten Staaten widersprechen.
00:07:33: Die USA wiederum betonen die Wirtschaftssanktionen gegen die Insel verhindern nicht den Kauf von Lebensmitteln Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Gütern.
00:07:42: Havanna setzt zudem weiter auf Exilkubaner und Besucher aus dem Ausland.
00:07:47: Die Zollbefreiung für die nicht kommerzielle Einfuhr von Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten- und medizinischen Verbrauchsmaterialien wurde Anfang Februar zwanzigzehnundzwanzig erneut verlängert.
00:07:57: Eine Maßnahme, die seit zweitausendeinundzwantzig gilt – eine Folge der historischen Sozialproteste gegen Lebensmittelknappheit, Mangelwirtschaft und die sozialistische Planwirtschaft war.
00:08:08: Die Regierung reagierte mit trakonischen Strafen für Demonstranten und die willkürliche Inhaftierung von protestierenden Jugendlichen in Umerziehungslagern.
00:08:16: Wie aus Venezuela unter Maduro folgte ein Massen-Exodus aus Cuba.
00:08:21: Dieser hatte wiederum zur Folge, dass das Thema Migration zu einem entscheidenden Aspekt bei der Präsidentschaftswahl im November, zwanzig in den USA wurde – und so schließt sich der politische Kreis von Ursache und Wirkung.
00:08:35: Klimawandel und Versorgungsengpässe Doch nicht nur ökonomische Fehlentscheidungen führen zu Versorgungsengpässen und damit zu politischen Turbulenzen.
00:08:44: Mehr und mehr werden auch die Folgen des Klimawandels für den Sektor der Lebensmittelversorgung spürbar.
00:08:49: In Uruguay hatte eine monatelange Dürre verheerende Konsequenzen für die Ernteerträge der Landwirte, zudem verendeten in Bolivien Tausende Rinder und Schweine – in Argentinien sorgte jüngst eine katastrophale Überschwemmung.
00:09:04: Auch das Mittelamerikanische El Salvador steht nach Einschätzung von Experten vor einem sehr schweren Jahr.
00:09:09: Das Frühwarnsystem für Hungersnöte FEWSNAT warnte bereits im Dezember, von einer Verschlechterung der Ernährungssituation in dem mittelamerikanischen Land ab April, dann seien die landwirtschaftlichen Vorrede der Haushalte voraussichtlich aufgebraucht und die Beschäftigungsmöglichkeiten im ländlichen Raum würden zurückgehen.
00:09:31: Es wäre das zweite Mal, dass Mittelamerika innerhalb kürzester Zeit von akuter Lebensmittellunsicherheit betroffen wäre.
00:09:38: Allein in El Salvador waren im Jahr zwanzig rund neunundsechzig Prozent des Landes von Überschwemmungen infolge verheerende Hurricanes in Mitleidenschaft gezogen.
00:09:46: Viele Straßen waren zerstört was den Zugang zu Betroffenen Gebieten verhinderte.
00:09:50: Insgesamt waren damals rund eins Komma zwei Millionen Menschen in Mittelamerica von den Überflutungen betroffen.
00:09:56: Vielerorts hatten die heftigen Regenfälle fast die gesamte Ernte zerstörd.
00:10:00: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen – World Food Program, WFP – leistete gemeinsam mit den zuständigen Regierungen erste Nothilfe und versorgte rund zweihundertdreißigtausend Menschen mit Nachungsmitteln.
00:10:13: Auch die FAO stellte eigenen Angaben zur Folge µm US-Dollar für die Landwirtschafts- und zur Erhaltung des Viehbestands zur Verfügung.
00:10:21: Noch schlimmer ist es in Haiti!
00:10:23: Der Karibikstaat gilt als armstes Land der westlichen Hemisphäre.
00:10:28: Der Inselstaat wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von schwerer Naturkatastrophen getroffen und befindet sich in einer politischen Dauerkrise.
00:10:35: Fast die Hälfte der Bevölkerung, etwa vier Komma neun Millionen Menschen haben nicht genug zu essen um gesund zu überleben, hieß es zuletzt aus UN-Kreisen.
00:10:44: Die politischen Konsequenzen?
00:10:46: Immer mehr Menschen schließen sich bewaffneten Banden an, die das Land terrorisieren!
00:10:51: Eine Abwärtsspirale, aus der es kaum ein Entrinnen gibt's und die in einem engen Zusammenhang mit der Ernährungsunsicherheit steht... über den Autor.
00:11:02: Tobias Käufer, gebore in Kauschenbräuch am Niederrhein, freier Latinamerika-Korrespondent für deutschsprachige Medien erlebt in Buenos Aires gelesen von David Endres Die politische Meinung.
00:11:17: Neutral geht gar nicht.
00:11:23: Ein Audio Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.