Dünger als Machtfaktor

Shownotes

Düngemittel werden geopolitisch immer relevanter, da Energiekrisen, Exportbeschränkungen und Dekarbonisierung globale Lebensmittelproduktion stark beeinflussen.

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00:00:01: Dünger als Machtfaktor.

00:00:03: Das Wechselspiel von Geopolitik und Klimaschutz verändert den Düngemittelsektor.

00:00:09: Von Rainer Quitzoff, Margarita Balmaceda und Andreas Goldhau.

00:00:15: Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind Düngemittel zu einem wichtigen geopolitischen Thema geworden.

00:00:22: Die weltweite Energiepreiskrise führt zu starken Preisanstiegen für erdgasbasierten Ammonjagd-Dünger und legte die Verwundbarkeit vieler Länder bei der Düngemittelversorgung für die Nahrungsmittelproduktion offen.

00:00:34: Zugleich stellt die Klimapolitik uns die damit verbundene Reduktion von Treibhausgasemissionen den Sektor vor Herausforderungen, denen nur durch weitreichende Veränderungen in der Produktionsweise von Düngemitteln begegnet werden kann Mit wichtigen geopolitischen Implikationen.

00:00:50: Es stellt sich daher die Frage, welche Vulnerabilitäten und Risiken aber auch welche Chancen sich aus dem Wechselspiel zwischen geopolitischem Trends, Decarbonisierung und strukturellen Veränderungen im Düngemittelsektor ergeben?

00:01:04: In der Vergangenheit folgte die Geografie der weltweiten Düngemittelproduktion – der Verteilung von Rohstoffen, die für die drei wichtigsten Dün gemitteltypen benötigt werden.

00:01:14: Phosphat Kalium und Stickstoff.

00:01:18: Mit etwa zwei Dritteln der weltweiten Phosphatreserven führt Marokko die Phosphart-Düngerexporte an, während Kanada, Weißrussland und Russland aufgrund ihrer Kalium vorkommen, die Produktion in diesem Segment dominieren.

00:01:32: Stickstoffdünger ist auf Ammoniak als Ausgangsstoff angewiesen, der am kostengünstigsten aus Erdgas hergestellt wird.

00:01:39: Daher sind Länder mit großen Erdgassvorkommen in diesem Bereich die Marktführer – allen voran Russland!

00:01:46: In den letzten zwanzig Jahren hat sich China als neuer Produktionsstandort für Fussfahrt und Stickstoffdünger etabliert, obwohl China nicht über große Erdgasvorkommen verfügt.

00:01:56: Um die Selbstversorgung mit Düngemitteln zu steigern, hat das Land die Ammoniak-Produktion auf Kohlebasis angekurbelt.

00:02:03: Trotz höherer Treibhausgasemissionen und Produktionskosten basieren eighty-fünf Prozent der chinesischen Produktion auf Kohl.

00:02:11: Die gezielte Politik zur Steigerung heimischer Produktion hat das Land zu einem der größten Düngemittelexporteure der Welt gemacht.

00:02:18: Siehe-Abbildung I. Auch andere große Schwellenländer haben ihren Anteil an den globalen Düngemittelmärkten deutlich erhöht, so hat sich Brasiliens Dünkemittelverbrauch seit der Jahrtausendwende aufgrund seiner wachsenden Agrarexporte verdreifacht.

00:02:34: Indians' Anteil am weltweiten Dünvemitteleinsatz erhöhte sich von fünf auf fünfzehn Prozent.

00:02:41: Im Gegensatz zu China wurde dies jedoch nicht durch die Steigerung der heimischen Produktion flankiert, sodass beide Länder zunehmend von internationalen Märkten abhängig sind.

00:02:51: Siehe Abbildung eins Ukrainekrieg erschüttert Düngemittelmärkte.

00:02:57: Bei der Produktion von Phosphatdünger gibt die Konzentration von Phospatvorkommen und Abbau seit langem Anlass zur Befürchtungen um die Versorgungssicherheit.

00:03:07: Während Marokko den Großteil der weltweiten Reserven besitzt, kontrolliert China vierzig Prozent der Abbauaktivitäten.

00:03:15: Zudem findet der Phosphatabbau in Marokka teilweise im geopolitisch sensiblen West-Sahara Gebiet statt.

00:03:21: Darüber hinaus hat die Nachfrage nach Phosphate einem kritischen Rohstoff für die Herstellung von Lithium-Ionenbatterien in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

00:03:32: Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat den Düngemittelmarkt als Ganzes erschüttert, angetrieben durch steigende Erdgaspreise.

00:03:39: Die Unterbrechung von Handelsrouten und Sanktionen gegen Russland – und Weißrussland.

00:03:45: Russland lenkte seine Produktion auf andere Märkte um, während europäische Hersteller aufgrund der Krise auf den Erdgasmärkten ihre Produktion drosselten.

00:03:54: Dies führte zu einem Preisanstieg von über fünfzig Prozent in nur wenigen Monaten.

00:03:59: Siehe Abbildung II.

00:04:01: Trotz einer Erholung des Marktes haben diese Entwicklungen in vielen Importländern zu einer großen Verunsicherung geführt.

00:04:08: So hat beispielsweise Brasilien das neunzig Prozent seiner Düngemittel importiert, mit einer nationalen Düngemittelstrategie reagiert.

00:04:16: Diese soll die Importe bis zwei tausendfünfzig halbieren.

00:04:20: Gleichzeitig nutzt Russlands Dünkemittelspenden an afrikanische Länder als neues Instrument der geopolitischen Einflussnahme Marktvolatilität und staatliche Interventionen.

00:04:32: Um den Verwerfungen an den Märkten zu begegnen, nehmen staatliche Eingriffe im Düngemittelsektor seither zu.

00:04:39: In Folge des Ukrainekrieges lockerte die Europäische Union ihre Wettbewerbsregeln damit ihre Mitgliedstaaten die steigenden Kosten für Erdgas in der Düngemittelindustrie abfedern konnten.

00:04:50: Während die Sanktionen gegen Russland ursprünglich keine Beschränkungen für Getreide und Düngemittel vorsahen, verhängte die Europäische Union im vergangenen Jahr gezielt Zölle auf Düngemittelimporte aus Russland um dessen steigende Marktanteile wieder zu reduzieren.

00:05:06: Im Zuge der Handelsinterventionen der Trump-Administration wird auch die Beschränkung von Dünkemittelimporten als geopolitisches Mittel eingesetzt.

00:05:15: Anfang twenty-fünfundzwanzig kündigte Washington Zölle auf Einfuhren aus Kanada, Mexiko und China – und somit auf achtzig Prozent seiner Düngemittelimporte an.

00:05:26: Ab August zwanzigzehnte die USA Zöller von zehn bis fünfundzwantig Prozent auf Fussfahrt und Stickstoffdünger aus Marokko, Saudi Arabien, Ägypten, Jordanien, Israel, Australien, Tunisien und dem Libanon.

00:05:43: Russland war hingegen davon nicht betroffen und konnte von den Handelsbeschränkungen seiner Konkurrenten profitieren.

00:05:49: Zudem kündigte US-Präsident Donald Trump im März twentyfünfundzwanzig sogar an, die USA wolle Russland den Zugang zu den globalen Düngemittelmärkten wieder eröffnen.

00:06:00: Gleichzeitig greift China als wichtiger Düngemittelexporteur zunehmend zur Exportbeschrankung um seinen Agrarsektor vor der Volatilität internationaler Märkte zu schützen.

00:06:11: Insbesondere im Bereich der Phosphatdünger kann die Verknappung des Angebots nur teilweise durch die Exporte anderer Länder ausgeglichen werden, was dazu führt dass Preise in dem Marktsegment weiter deutlich über den Vorkrisenniveau liegen.

00:06:24: Siehe Abbildung II.

00:06:27: Umgestaltung des Dünge-Mittelsektors durch die Karbonisierung.

00:06:32: Neben diesen handels- und geopolitischen Trends könnte die Klimapolitik zusätzliche weitreichende Veränderungen antreiben.

00:06:40: Mit einem Anteil von mehr als zwei Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen ist die Decarbonisierung des Düngemittelsektors entscheidend für die Erreichung der internationalen Klimaziele.

00:06:52: Für die Düngemittelproduktion bedeutet dies, dass fossile Brennstoffe bei der Ammoniak-Produktion durch erneuerbaren Wasserstoff ersetzt werden müssen.

00:07:01: Die Herstellung von sogenanntem grünen Ammonijag ist jedoch nach wie vor mehr als doppelt so teuer wie herkömmliche Produktionsmethoden.

00:07:09: Die Decarbonisierung hat jedoch auch strategische Vorteile.

00:07:13: Länder, die nicht über fossile Brennstoffe verfügen könnten ihre Importabhängigkeit verringern und bei der Produktion von Stickstoffdüngerwettbewerbsfähig werden insbesondere solche mit einem hohen Nutzungspotenzial von Solar- oder Windenergie.

00:07:28: Großverbraucher wie Indien oder Brasilien würden ebenso profitieren, wie Produktionsländer beispielsweise Marokko.

00:07:35: Zwar ist Maroko ein großer Düngemittelhersteller – ist aber von fossilen Ammoniakimporten abhängig.

00:07:42: Zur Verringerung dieser Abhängigkeit verfolgt Maroko eine ambitionierte Strategie zum Aufbau seiner grünen Ammoniacproduktion.

00:07:50: Auch Erdgasexporteure wie Algerien und Ägypten könnten von einer Decarbonisierung der heimischen Düngemittelproduktion profitieren.

00:07:58: Angesichts der steigenden Energienachfrage im Inland, könnten sie ihre Gasexorte aufrecht erhalten und gleichzeitig neue Möglichkeiten der Wertschöpfung erschließen.

00:08:09: Der CO-Zweigrenzausgleichsmechanismus, Carbon Border Adjustment Mechanism CBAM der Europäischen Union verleiht solchen Strategien weiteren Aufschwung.

00:08:20: Durch die Anwendung des EU Kohlenstoffpreises auf energieintensive Importe einschließlich Düngemittel erhöht der Ausgleichsmechanismus die Wettbewerbsfähigkeit grüner Produkte.

00:08:32: Schließlich könnte die Decarbonisierung Chancen für eine dezentrale Düngemittelproduktion bieten und zwar insbesondere in Gebieten, die von der traditionellen Düngemittelindustrie aufgrund schwieriger Logistik oder anderer Hindernisse beim Zugang zu regionalen oder internationalen Märkten bisher unterversorgt waren.

00:08:50: Schlussendlich bietet der Klimaschutz auch einen zusätzlichen Anreiz für nachgelagerte Maßnahmen zur Förderung eines effizienteren Einsatzes von Düngemitteln und damit zur Senkung der Treibhausgasemissionen sowie zur Reduzierung von Umweltbelastungen durch Stickstoff- und Phosphoreinträge.

00:09:09: Nährstoffrecycling und eine Verbesserung der Nährstoffeffizienz können auch die Importabhängigkeit verringern, und eröffnen den Unternehmen des Düngemittelsektors neue Möglichkeiten der Wertschöpfung.

00:09:21: Innovationsbereiche wie die Präzisionslandwirtschaft und die Entwicklung maßgeschneiderter Düngemittel zur Maximierung der Produktivität bei gleichzeitig Verringerung der Treibhausgase erhalten in einem stärker geopolitisch geprägten Marktumfeld neue Relevanz.

00:09:38: Investitionen in die Decarbonisierung von Düngemittelproduktion und Nutzung tragen somit nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern leisten auch einen Beitrag zur Ernährungssicherheit und wirtschaftlichen Resilienz.

00:10:06: Honorarprofessor für Nachhaltigkeit und Innovation, Technische Universität Berlin.

00:10:44: Die politische Meinung.

00:10:46: Neutral geht gar nicht!

00:10:52: Ein Audio-Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.