Teurer, aber nicht überall gleich teuer
Shownotes
Lebensmittel verteuern sich europaweit stark, jedoch regional sehr unterschiedlich; Deutschland bleibt trotz Anstiegen ein vergleichsweise günstiges Land dank starker Discounterkultur und Wettbewerb, so Michael Scheppe.
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00:00:00: Teurer, aber nicht überall gleich teuer.
00:00:03: Lebensmittelpreise im internationalen Vergleich.
00:00:07: von Michael Scheppe.
00:00:10: Viele Verbraucher klagen hierzulande über die hohen Preise im Supermarkt.
00:00:14: Dabei sind sie in anderen Ländern noch deutlich stärker gestiegen.
00:00:19: Die letzte jährige Adventszeit machte Verbrauchern wieder einmal klar wie teuer der Einkauf im Supermarket geworden ist.
00:00:25: So kostete der neunzig Gramm schwere Schokoladen Weihnachtsmann der Marke Milker fünfzig Prozent mehr als noch zwei tausend zwanzig, wie Zahlen der Verbraucherzentrale zeigen.
00:00:36: Auch bei anderen Leckereien sind die Preisteigerungen ähnlich – auch deshalb weil Rohstoffe wie Kakao durch klimabedingte Missernten knapp sind.
00:00:46: Artikel im süßwaren Regal sind zuletzt zwar besonders teuer geworden jedoch zeigt sich ein ähnlicher Trend bei fast allen Produkten im Supermarkt.
00:00:54: Hersteller von Waren des täglichen Bedarfs müssen seit Ausbruch der Corona-Pandemie und vor allem durch die Folgen des Angriffskrieges gegen die Ukraine deutlich mehr für Rohstoffe, Logistik, Personal und Energie ausgeben.
00:01:08: Sie haben ihre Mehrkosten an den Handel weiter gereicht – und damit an die Verbraucher.
00:01:14: Lebensmittel und alkoholfreie Getränke waren in Deutschland im Oktober twenty-fünfundzwanzig um neunundzwantigkommat acht Prozent teurer als noch im Januar zwanzigzweiundzwannzig.
00:01:25: Das zeigt eine aktuelle Auswertung von Daten des Statistikamts Eurostat.
00:01:30: Grundlage sind die Zahlen des harmonisierten Verbraucherpreisindex, der zentralen Messgröße zur Beurteilung von Preisstabilität im Euroraum.
00:01:38: Die Preise für Nahrungsmittel sind also deutlich stärker gestiegen als die Inflation im Allgemeinen.
00:01:43: Doch auch wenn viele Verbraucher in Deutschland über die hohen Preise im Supermarkt klagen – in anderen Ländern Europas sind die Preise-für Lebensmittel in diesem Zeitraum noch deutlich stärkere gestiegen!
00:01:55: So haben sich die Lebensmittel in Estland, Lettland, Rumänien, Bulgarien und der Slowakei jeweils um mehr als vierzig Prozent verteuert.
00:02:04: Im Schnitt der siebenundzwanzig Mitgliedsstaaten der Europäischen Union beträgt das Plus neunundzwantig vier Prozent.
00:02:11: In Deutschland bewegt sich der Anstieg also lediglich leicht über dem Durchschnitt.
00:02:16: Weniger stark als im europäischen Mittel haben die Preise für Grundnahrungsmittel vor allem in Finnland, Luxemburg, Zypern Frankreich und Italien angezogen.
00:02:26: In diesen Ländern liegt das Plus zwischen zwanzig-und vierundzwanzig
00:02:30: Prozent.".
00:02:32: Auch andere Auswertungen zeigen, dass Kunden in Deutschland im Supermarkt trotz des Preisanstiegs weniger Geld ausgeben müssen als in anderen europäischen Ländern.
00:02:41: Zu diesem Ergebnis kam im Sommer zwei tausendvierundzwantig eine Analyse des Londoner Marktforschungsunternehmens SIRCANA im Auftrag der Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt.
00:02:52: Die Experten von Zekana haben in den sechs Ländern Deutschland, Frankreich Spanien Italien Niederlande und Großbritannien die zusammen für über siebzig Prozent der Lebensmittelumsätze in Europa stehen.
00:03:05: Die Preise für einen Einkauf von zweiunddreißig typischen Produkten verglichen das Ergebnis.
00:03:11: hierzulande kostet dieser Warenkorb unter anderem mit Kaffee Käse Nudeln Tiefkühlpizza Toiletten Papier und Zahnpasta etwa seventy Euro So wenig wie in keinem anderen der untersuchten Länder.
00:03:24: In Frankreich mussten Verbraucher dafür einhundert fünf Euro hinlegen, also satte fünfundvierzig Prozent mehr.
00:03:31: Im Schnitt der sechs Länder kosteten die Produkte rund dreiundachtzig Euro.
00:03:37: Bei den von den Marktforschern betrachteten Einkäufen sind die Preise in Deutschland zwischen Anfang zwei tausend zwanzig und Sommer zweitausendzwanzig um fast einundzwanziger Prozent gestiegen.
00:03:50: Statt zweiundsebzig Euro, wie im Sommer zweitausendzwanzig, zahlten Verbraucher für den gleichen Warenkorb Anfang zweitauzentzeinzwanziger nur sechzig Euro.
00:03:59: Kunden in Frankreich mussten dafür zum gleichen Zeitpunkt schon etwa sieben und achtzig Euro ausgeben.
00:04:05: Die Experten untersuchten die Durchschnittspreise der Waren und rechneten Sie auf vergleichbare Packungsgrößen um.
00:04:12: Dreizehn der dreiunddreißig Produkte waren in Deutschland am günstigsten – etwa Butter, Schokolade, Joghurt, Mehl und Speiseis.
00:04:20: Kein einziges war hierzulande am teuersten.
00:04:25: Preisfokussierte Verbraucher.
00:04:28: Für die im internationalen Vergleich günstigeren Preise in Deutschland gibt es einige Gründe Der wichtigste?
00:04:35: Hiesige Konsumenten gelten im Supermarkt als sehr preisfokussiert, und nehmen schon marginale Unterschiede laut Branchenkennern als äußerst negativ wahr.
00:04:43: Das Verhalten erklärt sich auch mit der starken Präsenz der Discounter.
00:04:47: Aldi und Lidl haben in Deutschland ein Marktanteil von mehr als vierzig Prozent, zeigen Marktdaten.
00:04:54: Im Durchschnitt der Europäischen Union kommen Discounter lediglich auf zwanzig Prozent – in Frankreich beispielsweise sind es nur zehn Prozent.
00:05:02: Die große Verbreitung der Discounter beeinflussen den gesamten Handel in Deutschland.
00:05:06: Senken Aldi oder Lidle ihre Preise ziehen die Vollsortimenter Edekaund Rewe oft innerhalb weniger Tage nach.
00:05:14: In anderen Ländern gibt es diesen Effekt nicht!
00:05:17: Durch den Discounterdruck sind auch die Eigenmarken des Handels in Deutschland verbreiteter.
00:05:22: Am gesamten Umsatz von Waren des täglichen Bedarfs machen diese Marktforschern zufolge rund forty-fünf Prozent aus – in Italien oder Frankreich ist es weniger als ein Drittel.
00:05:34: Eigenmarkens sind laut Auswertungen der Preisvergleichsapp Smaggle ungefähr forty Prozent günstiger, Obwohl viele Verbraucher Discounter als besonders preisgünstig wahrnehmen, sind die meisten Eigenmarken – auch bei den Vollsortimentern – oft auf den Cent genau gleich teuer.
00:05:52: Rewe und Edeka haben allerdings ein größeres Angebot vor allem von teurerer Markenware, weshalb sie insgesamt als Hochpreisiger empfunden werden.
00:06:02: In Deutschland beherrschen mit Rewe, Edeka, Aldi und Lidl vier Konzerne.
00:06:07: etwa In anderen Ländern gibt es mehr Anbieter mit geringeren Marktanteilen.
00:06:14: Deshalb wird dem Handel in Deutschland gegenüber den Erzeugern von Lebensmitteln eine größere Verhandlungsmacht zugeschrieben.
00:06:21: Das sorgt dafür, dass Konsumgüterhersteller in Deutschland oft geringere Gewinnmargen erzielen als im Ausland – was die Preise für die Verbraucher in Deutschland aber günstiger macht!
00:06:31: Streitigkeiten um Kosten für Markenprodukte.
00:06:35: Zahlreiche Konzerne hatten in den vergangenen Jahren versucht, die europäischen Unterschiede durch stärkere Preiserhöhungen in Deutschland auszugleichen.
00:06:43: Doch die Händler in Deutschland konnten dies durch ihre Marktmacht in vielen Fällen verhindern.
00:06:48: In Folge der Preisstreitigkeiten waren allerdings viele Markenprodukte monatelang nicht in den Supermärkten verfügbar.
00:06:55: Das Hersteller und Handler im Ausland Lebensmittel teurer verkaufen können, liegt auch daran dass viele Verbraucher in mediterranen Ländern Lebensmitteln eine höhere Wertschätzung entgegenbringen.
00:07:05: Und dadurch bereit sind mehr Geld dafür auszugeben!
00:07:10: Hierzulande hat der Genuss laut Branchen-Kennern einen deutlich geringeren Stellenwert.
00:07:15: Neben der unterschiedlichen Mentalität wirken sich auch lokale Regelungen aus – so führt in Frankreich ein stärkerer Schutz von Erzeugern zu höheren Preisen in den Geschäften.
00:07:25: Supermärkte müssen dort Lebensmittel seit Anfang Zwei-Tausendneunzeln um mindestens zehn Prozent über dem Einkaufspreis verkaufen.
00:07:33: Für Sonderangebote dürfen sie den Preis nur um maximal ein Drittel reduzieren.
00:07:38: Eine weitere Erklärung?
00:07:40: Der Grad der Selbstversorgung der einzelnen Länder.
00:07:43: In Deutschland liegt dieser bei über Achtzig Prozent, in Großbritannien stellen heimische Landwirte dagegen nur sechzig Prozent der eigenen Versorgung sicher.
00:07:53: Das macht das Land zum Beispiel anfälliger für die Folgen von Ernteausfällen.
00:07:57: Nicht ohne Grund sind die Preise in England, in der Söckane Auswertung mit über vierundzwanzig Prozent am stärksten gestiegen.
00:08:04: Angesichts der Preisentwicklung fordern Politiker und Verbraucherschützer auch in Deutschland regelmäßig, dass der Staat die Verkaufspreise im Supermarkt stärker regulieren soll.
00:08:14: Erst im Sommer zweitausendfünfundzwandzig gab es etwa in Österreich eine solche Debatte.
00:08:20: Staatliche Eingriffe sorgen für höhere Preise.
00:08:24: Aus Experten Sicht ist es allerdings nicht zielführend, die Preise im Handel anzupassen.
00:08:29: Schließlich sind Supermärkte nicht die Verursacher der hohen Preise.
00:08:33: Selbst die großen Handelsketten stehen angesichts ihrer niedrigen Marge von wenigen Prozentpunkten unter Druck.
00:08:39: Zudem sind auch in den vorgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette die Kosten deutlich gestiegen – nur auf die Verkaufspreise einzurücken greift für Branchenkenner zu kurz!
00:08:50: Selbst wenn die Eingriffe gut gemeint sind, werden die langfristigen negativen Effekte oftmals unterschätzt.
00:08:56: So zeigt das Beispiel Ungarn, dass staatliche Maßnahmen zur Senkung der Preise sogar das Gegenteil bewirben können.
00:09:02: Lebensmittel- und alkoholfreie Getränke kosten den Ungarn laut Auswertung der Euro-Starzahlen fast fifty-fünfzig Prozent mehr als Anfang of the year.
00:09:12: So stark war der Anstieg in keinem anderen Land der Europäischen Union!
00:09:17: Kritiker machen dafür die ungarische Regierung verantwortlich.
00:09:20: Diese hatte die Einzelhandelspreise von acht Grundnahrungsmitteln gedeckelt – dies bewog, die Supermarktketten allerdings dazu, die Preise für andere Produkte zu erhöhen.
00:09:30: Zudem kurbelten staatliche Sonderzahlungen kurz vor den Wahlen in den Supermärkten an – das trieb aber die Preisse in die Höhe!
00:09:41: Auch im EU-Beitrittsland Serbien beschneidet die Regierung seit Ende August, die Gewinnspannen der Einzelhändler.
00:09:49: Deshalb erwegen nun erste Supermarktketten wie der niederländische Handelskonzern Aholt del Heys ihre Investitionen in dem Land zurückzufahren und Filialen zu schließen.
00:10:00: Mittelfristig könnte so das Lebensmittelangebot sinken – und die Preise steigen!
00:10:05: Fürchten Branchenexperten Über den Autor Michael Schepper Geboren, nineteenhundertneunzig in Olpe.
00:10:13: Alt ist die Pendiat der Konrad-Adenauer Stiftung.
00:10:16: Redakteur im Unternehmensressort.
00:10:18: Handelsblatt Gelesen von Sören Hahn.
00:10:23: Die politische Meinung Neutral geht gar nicht.
00:10:31: Ein Audiopodcast der Konrat Adenauer stiftung.