Globale Schuldensucht
Shownotes
Gunther Schnabl analysiert die zunehmende Staats-, Unternehmens- und private Verschuldung weltweit. Der Beitrag zeigt die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Grenzen hoher Schulden sowie die Risiken steigender Zinslasten für Staatshaushalte und kommende Generationen.
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00:00:00: Globale Schuldensucht.
00:00:02: Die gesellschaftlichen Grenzen staatlicher und privater Verschuldung von Gunther Schnabel.
00:00:09: Die deutsche Regierung kämpft mit überbordenden Ausgabenverpflichtungen.
00:00:13: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plant für den Bundeshaushalt, zwei Tausend siebenundzwanzig eine Netto-Kreditaufnahme in Höhe von einhundertneunzehn Milliarden Euro.
00:00:23: Im Rahmen der Sondervermögen, Infrastruktur und Klimaneutralität sowie aufgrund der Ausnahmeregelung bei der Schuldenbremse für Verteidigung sind zusätzlich fifty-fünfzig Milliarden Euro bzw.
00:00:35: dreißig Milliarden Euro Schulden geplant.
00:00:37: Bis zwei tausendfünfunddreißig könnte die Staatsverschuldung als Anteil am Protoinlandsprodukt BIP von derzeit sixty fünf Prozent auf hundert Prozent steigen.
00:00:49: In Japan, wo die Staatsverschuldung jüngst noch bei rund zweihundertfünfzig Prozent des BIP gelegen hat, hat die neue Ministerpräsidenten Sanae Takaiichi mit dem Versprechen von Steuersenkungen für Benzin und Lebensmittel sowie Energiekostenzuschüssen die Wahl gewonnen.
00:01:06: Keine Sparmaßnahmen sondern eine neue statische Abgrenzung der Staatsverschildung hat die Staatsschuldengquote in Japan auf zweihundert fünf Prozent des.
00:01:17: In den USA wollte Präsident Donald Trump mit einem Department of Government Efficiency und der persönlichen Unterstützung von Elon Musk durch einen radikalen Personalabbau im öffentlichen Dienst sowie die Überprüfung aller Bundesausgaben bis zu zwei Billionen Dollar sparen.
00:01:35: Doch dieser Plan ist durch zahlreiche Klagen und dem Irankrieg ins Wanken geraten – Die Welt leidet unter einer Schuldensucht!
00:01:43: Die Brutto-Staatsverschuldung der USA liegt als Anteil am BEP mit einhundertzweiundzwanzig Prozent höher, als nach dem kostspieligen Zweiten Weltkrieg.
00:01:53: Haupttreiber sind die Sozialausgaben – die Verteidigung und Zinslasten, die mit eins Komma zwei Billion Dollar über den Verteiligungsausgabem liegen.
00:02:02: In Japan und in China steigt die Staatsverschulung ebenso an wie in Europa wo die Sozialausgaben auch aber nicht nur aufgrund der alternden Gesellschaften Die Budgets sprengen.
00:02:14: Der Internationale Währungsfonds quantifiziert die globale Staatsverschuldung für das Jahr zwanzigundzwanzig auf fünfundneunzig, dreiprozent der Wirtschaftsleistungen.
00:02:25: Zwei-tausenddreißig soll die Marke von einhundert Prozent durchbrochen werden.
00:02:30: auch die Unternehmen haben sich vielerorts stark verschuldet.
00:02:34: In Frankreich ist die Bruttoverschuldung der Unternehmen von onehundertunddreißig Prozent des BIP im Jahr nineteenhundertneunzig auf zweihundertsechzehn Prozent angestiegen.
00:02:45: Als Gründe werden wachsende Konzernen interne Kredite von multinationalen Unternehmen und der Erwerb finanzieller Vermögenswerte wie Wertpapiere- und Voranteile genannt.
00:02:55: In den USA erzeugen derzeit die Schuldenpläne der großen Hyperscaler, die als Cloud-Dienstleister Rechenleistungen Speicherplatz- und Netzwerkinfrastruktur global anbieten, für die künstliche Intelligenz der Zukunft in Höhe von bis zu zwei Billion Dollar Verwunderung.
00:03:13: In China hat ein Immobilienboom lange Zeit die privaten Haushalte zur hohen Schulden verleitet – bis twenty-twoundzwanzig die Immobiliemblase geplatzt ist.
00:03:22: Die Entwicklung erinnert an den US-Hypothekenmarktboom, der zwischen twohntausendeins und sieben die Verschuldung der US-Amerikaner aufgebläht ähnlich wie im gleichen Zeitraum, im südlichen Euroraum und Irland.
00:03:35: Daraus entwickelten sich die globale Finanzkrise und die Euro-Krise.
00:03:39: Im Ergebnis liegt die Gesamtverschuldung von Staat, Unternehmen und Haushalten deutlich über der breit wahrgenommenen Staatsverschulung.
00:03:47: Weit oben im Ranking stehen Japan – dreihundertsiebzig Prozent des BEP, China – dreihundertzweiunddreißig Prozent und Frankreich – drei hundert Prozent noch vor den USA – zweihundertsiebenundfünfzig Prozent und Deutschland – zweihundert Prozent.
00:04:02: Unter normalen Umständen greift bei hoher Verschuldung die Disziplinierungsfunktion der Finanzmärkte.
00:04:08: Banken prüfen die Kreditwürdigkeit von Haushalten und Unternehmen, um Kreditausfälle zu verhindern.
00:04:14: Rating-Agenturen wie Moody's oder Fitch übersetzen Verschulungsgrad, Cash Flows und Managementqualität in Buchstabenkombinationen für Kreditwirklichkeit, die von Investment Grade solide und kreditwürdig bis hin zu Junk hohes Ausfallrisiko reichen.
00:04:32: Wer höher verschuldet ist, muss höhere Zinsen entrichten.
00:04:35: Argentinien war aufgrund zahlreicher Zahlungsausfälle viele Jahre vom internationalen Kapitalmarkt ausgeschlossen.
00:04:44: Doch spätestens seit der Jahrtausendwende haben die Zentralbanken diese Disziplinierungsfunktion außer Kraft gesetzt, indem sie in Krisen die Zins starke senkten und nach den Krisen nicht mehr in gleichem Maße anrufen.
00:04:58: So verleiteten sie die Geschäftsbanken zu leichtsinniger Kreditvergabe, woraus sich Aktien- und Immobilienpreisblasen entwickelten.
00:05:06: Deren Platzen zog dramatische Finanzkrisen nach sich, die noch stärkere Zinssenkungen erzwungen haben.
00:05:12: Nachdem die Zentralbanken die Leitzinsen auf nahe null gedrückt hatten, kauften sie im großen Umfang Staatsanleihen, Unternehmensanlein oder Hypotheken besicherte Wertpapiere – das hat die hohen Schulden erst möglich gemacht!
00:05:27: Negative Wachstums und Verteilungseffekte.
00:05:31: Obwohl das Risiko hoher Schulden durch immense Zinslasten weithin sichtbar ist, entwickelten sich für viele überzeugende Rechtfertigungsmuster.
00:05:40: In den USA sprach der spätere Zentralbankpräsident Bern Beneng von einer globalen Sparschwämme die die USA zu hohem Schulden finanzierten Konsum zwingen würden.
00:05:51: Die Wirtschaft schuf in Kooperation mit den Forschungsabteilungen der großen Zentralbanken scheinbare Evidenz dafür, dass die niedrigen Zinsen auf die Demografie zurückzuführen sind.
00:06:02: In Europa verweist man heute noch gern auf unvorhersehbare Finanzkrisen – die Klimakrise, die Coronakrise und den Ukraine-Krieg als Gründe für überbordende staatliche Ausgabenverpflichtungen.
00:06:14: Doch ob selbst verschuldet oder nicht?
00:06:17: Immer mehr Probleme kann man nicht mit immer mehr Schulden lösen!
00:06:21: Denn die Kombination aus künstlich niedrig gehaltenen Zinsen und moderater Inflation, die sogenannte finanzielle Repression reduziert zwar die Zinslasten.
00:06:30: Sie lähmt jedoch das Wachstum wie der Stanford-Ökonom Ronald McKinnon bereits in den neunzehntiebziger Jahren gezeigt hat.
00:06:37: Der Grund?
00:06:38: Negative reale Zinsenfördern den Konsum und bremsen die Investitionen.
00:06:43: Die Kapitalallokation richtet sich nicht mehr nach den höchsten zu erwartenden Renditen, sondern nach politischen Kriterien aus.
00:06:51: Die Europäische Union will beispielsweise mit der seit-zweitausendzwanzig geltenden Taxonomiekredite hin zur Umwelt und klimafreundlichen Unternehmen lenken.
00:07:02: Darüber hinaus haben die Zentralbanken zugunsten reicher Menschenvermögen umverteilt weil die niedrigen Zinsen die Vermögenspreise stark nach oben getrieben haben.
00:07:12: Die realen Zinsen auf die Bank-Einlagen der Mittelschicht wurden hingegen ins Negative gedrückt.
00:07:18: Die starke wachsenden Ausgaben Spielräume haben die starke Ausweitung der Beschäftigung im öffentlichen Sektor möglich gemacht.
00:07:25: In Deutschland ist diese seit dem Jahr, um rund drei Millionen – öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit – gewachsen so dass dort Homeoffice und Work-Life Balance stark an Bedeutung gewinnen konnten.
00:07:38: Von der wuchenden Regulierung und steigenden Subventionen haben meist große Unternehmen profitiert, während vor allem kleine und mittlere Unternehmen unter der Regulierungen stark gelitten haben.
00:07:50: Die negativen Wachstums- und Verteilungseffekte setzen der stetigen Schulden finanzierten Ausweitungen von Staatsausgaben gesellschaftliche Grenzen – weil diejenigen, die sich als Verlierer sehen an den politischen Ränder driften!
00:08:03: Sie votieren für extrem rechte Parteien, die Versprechen der großen Umverteilung ein Ende zu machen.
00:08:09: Extrem linke Parteien können mit Forderungen nach Reichensteuern oder der Verstaatlichung von Wohnraumpunkten.
00:08:16: Die Schweiz weist den Weg!
00:08:19: In Argentinien hat Javier Milleen nach seinem Amtsantritt im Dezember und innerhalb eines Jahres unter anderem durch radikale Entlassungen von Staatsbediensteten und eine umfassende Deregulierung dem Staatshaushalt ausgeglichen.
00:08:33: Das hat die Voraussetzung für die Stabilisierung des PSO geschaffen, sodass ein beeindruckender Rückgang der Inflation die Armutsquote spürbar gesenkt hat.
00:08:42: Trotz Bedenken dass weniger Staatsausgaben den radikalen Reformer zum Verlierer machen ist die Unterstützung beim Volk großgeblieben.
00:08:51: Die USA können sich zwar als Weltleitwährungsland einen höheren Verschuldungsgrad als andere Länder leisten weil viele Länder US-amerikanische Staatsanleihen in dem Bilanzen ihrer Zentralbanken halten.
00:09:03: Das könnte erklären, warum eine Stabilisierung des Bundeshaushaltsdefizits in Höhe von US dollar nicht in Sicht ist.
00:09:12: Doch Steuersenkungen für Haushalte und Unternehmen, niedrigere Energiepreise und eine weitreichende Deregulierung haben positive Wachstumseffekte die die Tragfähigkeit der Schulden erhöhen können.
00:09:24: Der neue Zentralbankpräsident Kevin Wash signalisiert, derweil eine Verkürzung der Bilanz der US-Notenbank Federal Reserve fett in der ihre Vermögenswerte und Verbindlichkeiten erfasst sind.
00:09:36: Das wird auf längere Sicht das Verschuldungspotenzial der USA begrenzen.
00:09:42: Währenddessen ziehen in Europa überbordende Sozialausgaben die Staatsverschuldungen nach oben, und das Wachstum nach unten.
00:09:49: Die Politiker tun sich mit Reformen schwer weil viele Menschen von den großzügigen Staatsausgaben profitieren.
00:09:55: Lediglich im Herzen Europas setzt in der Schweiz die direkte Demokratie, der Ausgabenfreude der Politiker enge Grenzen.
00:10:03: Das Schweizer Volk hat es mit rund
00:10:06: u.a.,
00:10:07: für eine Schuldenbremse gestimmt.
00:10:09: Bürgerinnen und Bürger können mit Referenten gegen Steuererhöhungen vorgehen.
00:10:14: Die Staatsverschuldung als Anteil vom Bruttoinlandsprodukt sinkt.
00:10:19: Die Sozialausgaben sind entsprechend gering.
00:10:23: Die Infrastruktur ist vorbildlich.
00:10:25: Die Schweiz weist damit den Weg, den der Rest Europas noch finden muss – über den Autor.
00:10:33: Gunther Schnabel geboren in Starnberg.
00:10:37: Ökonom seit dem Jahrzehntzwanzig Director des Flossbach von Störch Research Institute Köln.
00:10:59: Die politische Meinung, neutral geht gar nicht.
00:11:08: Ein Audio-Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.