Kaurischnecken und Stablecoins
Shownotes
Fritzi Köhler-Geib blickt auf die Zukunft des Geldes: Stablecoins, digitaler Euro und neue Bezahlsysteme verändern Geldordnung und Europas Souveränität.
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00:00:00: Kaurischnecken und Stablecoins.
00:00:04: Wie sieht Geld in Zukunft aus?
00:00:07: Ein Bericht von Fritzi Köhler-Geib.
00:00:10: Stellen Sie sich vor, sie gehen zum Bäcker kaufen ein Brötchen Und legen zur Bezahlung ein Schneckenhaus auf den Träsen.
00:00:19: Vermutlich würden sie damit unglaubige Blicke ernten.
00:00:23: Was heute kurios wirkt war in anderen Zeiten und Weltregionen ganz selbstverständlich.
00:00:31: Die Gehäuse der Kaurischnecke dienten über Jahrhunderte als Zahlungsmittel unter anderem in China, Indien und auf den Inseln des indischen Ozeans.
00:00:41: Erst im neunzehnten Jahrhundert wurde dieses Kaurigeld nach- und nach durch staatliche Münzwährungen ersetzt.
00:00:51: Es folgten Banknoten später Buchgeld und heute genügt meist ein Griff zum Smartphone um den Einkauf zu bezahlen oder Geld in Echtzeit zu versenden.
00:01:02: Die Form des Geldes hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt.
00:01:08: Künftig könnten Zahlungen in vielen Situationen sogar automatisch ablaufen, das Auto tankt selbstständig und begleicht die Rechnung ohne dass wir aussteigen müssen.
00:01:19: Oder – Der Fahrpreis für den Zug wird erst dann abgebucht wenn der Zug pünktlich am Ziel ankommt!
00:01:27: Solche programmierbaren Zahlungen eröffnen neue Möglichkeiten, Zahlungen an Bedingungen zu knüpfen.
00:01:35: Doch welche Technologien stecken hinter diesen Entwicklungen?
00:01:40: Was sind Kryptowerte und Stablecoins – und warum beschäftigen sich Zentralbanken mit ihnen?
00:01:47: Und welche Rolle könnte dabei ein digitaler Euro spielen?
00:01:52: Die wachsende Bedeutung von Stablecoins.
00:01:55: Gerade in den vergangenen Jahren haben sich aufgrund der rasanten digitalen technologischen Innovationen neue Formen des Geldes und des Bezahlens entwickelt.
00:02:06: Eine wichtige Grundlage dafür ist die sogenannte Distributed Ledger Technology, DLT.
00:02:13: Sie ermöglicht die Speicherung Synchronisierung von Transaktionen über mehrere Knotenpunkte in einem verteilten Netzwerk und erlaubt die programmierbare Abwicklung von Zahlungen.
00:02:27: Auf dieser Basis sind inzwischen Tausende verschiedene Kryptowerte entstanden, am bekanntesten sind Bitcoin & Ether der Krypto-Wert des Ethereum-Netzwerks.
00:02:40: Ihr Wert schwankt oftmals erheblich.
00:02:42: Deshalb werden sie heute vor allem als Anlage- oder Spekulationsobjekte und kaum zum Bezahlen genutzt.
00:02:50: Zu den Kryptowerten, die im Jahr zwei Tausendfünfundzwanzig besonders stark gewachsen sind, zählen Stablecoins.
00:02:58: Dabei handelt es sich um Krypto-Werte deren Preis an einen bestimmten Referenzwert gekoppelt ist.
00:03:06: Bei den meisten Stablecoins ist dies eine offizielle Währung – überwiegend der US-Dollar und in sehr viel geringerem Umfang auch der Euro.
00:03:17: Deutlich seltener beziehen sich Stablecoins auf Vermögenswerte wie beispielsweise Gold, die Bedeutung von Stablecoins hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen.
00:03:28: Im Jahr twenty-fünfundzwanzig erreichte ihre weltweite Marktkapitalisierung rund dreihundertsieben Milliarden US Dollar – ein Anstieg von rund fünfzig Prozent gegenüber dem Vorjahr!
00:03:43: Dennoch machen Kryptowerte inklusive Stablecoins bisher weniger als einen Prozent der Vermögenswerte des globalen Finanzsektors aus.
00:03:53: Aus Sicht einer Zentralbank sind Stablecoins aus zwei Gesichtspunkten relevant – sie können Innovationen im Zahlungsverkehr fördern, etwa durch schnellere und programmierbare Zahlungen.
00:04:06: gleichzeitig richtet sich unser Blick vor allem auf mögliche Herausforderungen, die für die Erfüllung unseres Mandats die Sicherung der Preis- und Finanzstabilität entstehen könnten.
00:04:19: Mit Blick auf Finanzstablitätsrisiken hält die Bundesbank derzeit die von Stablecoins ausgehenden systemischen Risiken für begrenzt.
00:04:30: Dies liegt erstens an der vergleichsweise geringen Größe des Marktes und zweitens an seiner bislang begrenzten Verflechtung mit dem traditionellen Finanzsystem.
00:04:41: Bereits heute halten Stablecoin-Emitenten erhebliche Bestände an traditionellen Finanzanlagen, insbesondere kurzfristige US-Staatsanleihen – das ist für uns relevant da dies eine Verbindung zum konventionellen Finanzystem darstellt.
00:04:59: Die aktuelle Forschung zeigt etwa, dass Liquiditätsabflüsse aus Stablecoins Auswirkungen auf die Renditen von US-Staatsanleihen haben können.
00:05:11: Aufgrund ihrer Wertbindung sind Stablecoins in der Regel preisstabiler als andere Kryptowerte.
00:05:17: Voraussetzung dafür ist das ausreichend liquide und werthaltige Reserven – etwa Bankuthaben oder kurzfristiges Staatsanleih Vorhanden sind und die Stablecoins jederzeit zum Nennwert in staatliches Geld eingelöst werden können.
00:05:36: Kommen Zweifel an diesem Wertversprechen auf?
00:05:39: Kann dies dazu führen, dass viele Personen ihre Stablecoins zurückgeben wollen?
00:05:44: Weil digitale Transaktionen sehr schnell ablaufen könnte sich die Situation krisenhaft zuspitzen etwa wenn der Stablecoin stark an Wert verlieren sollte und die vorgesehene Bindung an den Referenzwert bricht, europäischer Rechtsrahmen für Kryptowerte.
00:06:04: Das wirft die grundsätzliche Frage auf unter welchen Voraussetzungen private Zahlungsmittel dauerhaft Vertrauen genießen können?
00:06:12: Ein Blick in die Geschichte zeigt das dafür klare Regeln und eine wirksame Aufsicht entscheidend sind!
00:06:20: Im neunzehnten Jahrhundert gaben zahlreiche Banken in den USA eigene Banknoten aus, deren Wert und Akzeptanz erheblich schwankten.
00:06:30: Erst ein einheitlicher Rechtsrahmen schuf die Grundlage für Stabilität.
00:06:35: Mit der europäischen Verordnung über Kryptowerte Markets in Crypto Assets Regulation MICAR hat die Europäische Union erstmals einen solchen Rechtsrahmen für Kryptowerte geschaffen.
00:06:50: Sie verpflichtet Anbieter zu mehr Transparenz gegenüber ihren Kunden, stärkt den Schutz von Anlegerinnen und Anlegern und enthält Vorgaben gegen Marktmissbrauch.
00:07:03: Zugleich schafft MICAR klare Anforderungen für Emittenten- und Dienstleister.
00:07:11: Regulierung ist in diesem Zusammenhang keine Bremse sondern die Voraussetzung für nachhaltige Innovation.
00:07:18: Gleichzeitig ist es notwendig, den regulatorischen Rahmen bei Bedarf weiterzuentwickeln.
00:07:24: Rund sechzig Prozent aller Kartenzahlungen im Euroraum werden über nicht-europäische Kartensysteme abgewickelt – das zeigt wie stark Europa im Zahlungsverkehr von wenigen internationalen Anbietern abhängig ist!
00:07:41: Für Verbraucherinnen und Verbrauchern spielt das im Alltag meist keine Rolle.
00:07:46: Aus strategischer Sicht ist es jedoch relevant, denn der Zahlungsverkehr gehört zur kritischen Infrastruktur.
00:07:55: Eine europäische Zahlungslösung kann dazu beitragen diese Abhängigkeit zu verringern und den Zahlungsverkehr resilienter zu machen.
00:08:04: Bargeld ist derzeit die einzige Form von Zentralbankgeld, die allen Menschen direkt zur Verfügung steht.
00:08:13: Mit der schnellen Verbreitung digitaler Zahlungsangebote wird es immer relevanter auch im digitalen Raum öffentliches Geld für alle zugänglich zu machen.
00:08:24: Der digitale Euro wird das Bargeld um eine digitale Variante ergänzen und nicht ersetzen.
00:08:32: Nach den derzeitigen Planungen könnte dies ab dem Jahr- und Jahrzehntag der Fall sein.
00:08:38: Es wird durch eine einfache Bedienung und die Möglichkeit, auch Offline zu bezahlen – so gestaltet dass niemand ausgeschlossen wird.
00:08:47: Parallel entwickelt das Eurosystem Lösungen mit denen DLT basierte Großbetragszahlungen und Finanzmarkttransaktionen Zwischen Finanzinstituten in Zentralbankgeld abgewickelt werden können, also eine Wholesale Central Bank Digital Currency – CBDC.
00:09:18: Ein wesentliches innovatives Element sind smart contractsfähige Zahlungen.
00:09:24: Smart Contracts sind digitale Verträge, die auf einer DLT gespeichert sind und automatisch ausgeführt werden wenn vorab festgelegte Bedingungen erfüllt sind.
00:09:35: Sie können dabei helfen Prozesse effizienter zu gestalten – und das Ausfallrisiko zu verringern!
00:09:42: Eine erste Wholesale-CBDC Lösung wird den Finanzinstituten im Pontes Initial Launch noch in diesem Jahr zur Verfügung gestellt werden.
00:09:53: In Zeiten finanzieller Fragmentierung und sich verändernder globaler Rollen des Euro- und US-Dollars könnte die Bereitstellung einer öffentlichen Option für digitale Zahlungen, die Attraktivität des Euro steigern.
00:10:08: Unser Ziel als Zentralbank ist es eine verlässliche öffentliche Grundlage für das Finanzsystem zu schaffen.
00:10:16: Der digitale Euro und die Wholesale-CBDC stärken die europäische Souveränität im digitalen Zahlungsverkehr für Bürger und Banken, und verringern die Abhängigkeit von außereuropäischen Lösungen.
00:10:30: Digitales Ökosystem unterschiedlicher Funktionen.
00:10:34: Vieles spricht dafür das öffentliche Geld und private digitale Zahlungsmittel künftig nebeneinander bestehen und in einem digitalen Ökosystem unterschiedliche Funktionen erfüllen werden.
00:10:48: Der digitale Euro-und die Wholesale CBDC stellen sicher, dass Zentralbankgeld auch im digitalen Zeitalter allgemein verfügbar bleibt und selbst in Phasen von Unsicherheit verlässlich nutzbar ist.
00:11:03: Stablecoins und andere private Lösungen können das Angebot um innovative Anwendungen und effizientere, grenzüberschreitende Zahlungen ergänzen.
00:11:15: Die zunehmende Bedeutung privater- und ausländischer Zahlungslösungen rückt die Rolle der Zentralbanken in diesem digitalen Ökosystem stärker in den Mittelpunkt.
00:11:26: Sollten US-Dollar denominierte Stablecoins oder US-basierte Zahlungsinfrastrukturen außerhalb der Vereinigten Staaten systemrelevant werden?
00:11:36: entstünden für Staaten ohne eine eigene digitale Alternative erhebliche Risiken.
00:11:43: Die Wirksamkeit ihrer Geldpolitik könnte geschwächt werden und sie würden von Plattformen abhängig werden, die in der eigenen Rechtsordnung keiner demokratischen Kontrolle unterliegen – ihre Kontrolle über eine zentrale öffentliche Aufgabe würde sich verringern!
00:12:00: Das Argument für die Einführung von digitalem Zentralbankgeld wird daher umso stichhaltiger, je mehr private oder außereuropäische digitale Zahlungsmittel im Umlauf sind.
00:12:14: Der Digitale Euro kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu verringern und die Souveränität sowie die Widerstandsfähigkeit Europas zu stärken.
00:12:27: Die Zukunft des Geldes wird nicht von einer einzelnen Zahlungsform abhängen.
00:12:33: Vielmehr werden Bargeld, Karten, digitale Bezahlsysteme und neue Formen wie öffentliches Geld- und private digitale Zahlungsmittel künftig nebeneinander bestehen und sich gegenseitig ergänzen.
00:12:48: Zentralbanken werden auch künftig ein aktiver Teil dieser Veränderung sein – damit Innovation möglich ist und zugleich, dass Vertrauen in unser Geld erhalten bleibt.
00:13:01: Deswegen arbeiten wir im Euro-System an der Entwicklung von digitalem Zentralbankgeld sowohl am digitalen Euro für die Endverbraucher als auch an der Wholesale CBDC für Finanzinstitute.
00:13:17: Kaurischnecken hingegen werden auch in Zukunft im Portemonnaie eher Glücksbringer bleiben – zur Autoren!
00:13:27: Fritzi Köhler-Geib, geboren in Bonn, und Universität Frankfurt Main.
00:13:51: Die politische Meinung – neutral geht gar nicht!
00:14:00: Ein Audio-Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.