Kontrafakturen der Macht
Shownotes
Michael Braun interpretiert „House of Cards“ als düstere Darstellung politischer Macht, Manipulation und Religionsmissbrauchs im modernen politischen System.
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00:00:00: Kontrafakturen der Macht.
00:00:02: Religion und politische Sprechen in der Serie House of Cards von Michael Braun.
00:00:08: Die Serie House Of Cards startet mit einem ehrtutschartigen gewählten amerikanischen Präsidenten und seinem tüchtigsten Mann im Kongress.
00:00:16: Frank Underwood, gespielt vom Kevin Spacey wird für den ihm versprochenen Postnals Außenminister übergangen.
00:00:23: Im Bunde mit seiner Frau Claire dargestellt von Robin Wright schmiedet er daher einen perfiden Plan.
00:00:29: Es geht anderweit darum, den Außenminister zu diskreditieren – eine Partei kompliz in an dessen Stelle zurückgen, den Vizepräsidenten als Gouverneur in seinen Heimatstaat zurückzuschicken und schließlich dem Präsidenten Garrett Walker zu stürzen um selbst an die Spitze des Staates zu treten.
00:00:44: Dazu werden Desinformation- und Manipulation eingesetzt, falsche Versprechungen gemacht, Chaos und Terror kreiert.
00:00:52: Wird Amerika in den sechs Staffeln und insgesamt seventy Folgen der Serie zum Kartenhaus?
00:00:57: Schräg und verschattet erscheint die politische Weltmacht bereits in den einleitenden Credits.
00:01:02: Die Sicht auf die Machtsymbolen Washington DC verrutscht, Auf Washington Monument und Lincoln Memorial – auf Kapitol und weißes Haus.
00:01:10: Buchsterblich auf dem Kopf gestellt ist das wichtigste Staatssymbol des demokratischen Amerika Die Fahne mit den Stars and Stripes mitten in der Titelzeile im Serienvorspann.
00:01:21: Einmal brennt Underwood einen Loch in die Flagge Ein anderes Mal stürzte eine Statue von Thomas Jefferson vom Sockel.
00:01:28: House of Cards, Jahrzehnte zum Internationalen Durchbruch.
00:01:35: Mit einem renommierten Schauspieler-Sombel mit findigen Regisseuren von David Fincher über Joel Shoemaker bis zu Agnester Holland kam die Serie bei der Kritik in der Filmwelt und bei den Zuschauern gut an – der ehemalige US-Präsident Barack Obama war ein Fan!
00:01:50: Bill Clinton bescheinigte der Serie eine große Nähe zur Realität.
00:01:54: Für die vierte Staffel warb Netflix während einer Fernsehdebatte der Republikaner im US-Wahlkampf.
00:02:00: Ob House of Cards die Regierung Crumbs antizipiert hat, wie Adrian Daub annimmt ist eine beliebte Feuilletonfrage.
00:02:07: Auf jeden Fall war die Serie ein Pionier für die Darstellung aktueller Politik im Film.
00:02:12: Machtfragen Die Faszination am makiavalistischen Politheater gründet jedoch tiefer.
00:02:18: Kevin Spacey, der für die letzte Staffel aus der Serie herausgeschrieben wurde als Missbrauchsvorwürfel gegen ihn erhoben wurden hatte bis zum Drehbeginn düstere Shakespeare-Könige gespielt.
00:02:28: Der Urbösewicht Macbeth und Richard III liefern das Handwerkszeug um die Instanzen demokratischer Macht zu demontieren.
00:02:35: Ebenso wie sie ist Anderbot gnadenlos pragmatisch und moralisch korrupt.
00:02:40: Er schreckt nicht davor zurück Abweichler einzuschüchtern und unbootmäßige Gegner zu
00:02:44: ermorden.".
00:02:46: Seine politische Agenda als Majority-Wip, als Mehrheitspeitscher der für die Fraktionsdisziplin verantwortlich ist, handhabt er im Abgeordnetenhaus Virtuos.
00:02:56: Das Vokabular der Mächtigen schöpft er vor seinem Populismus aus – Die Lüge rechtfertigter als Zwang zum Erfolg.
00:03:03: Anderwood ist also mehr als nur ein amerikanischer Machiavelli, der das nicht gut sein dürfen des Herrschers zelebriert wie Peter Slaughter Dyke in seiner Studie «Der Fürst und seine Erben».
00:03:16: Vielmehr ist er wie Shakespeare's Yago in der Tragödie Othello eine gottlose Existenz, so Harold Bloom in seinem Buch Shakespeare – Die Erfindung des Menschlichen.
00:03:26: Die Underwoodsfigur ist ein Oberteufel ins Staatsgeschäften, der sogar, wie Napoleon das Gesetz vermeintlich zum Wohl des Volkes zu beugen wagt.
00:03:35: Wie John Milton Satan in dessen Fers Epos Paradise Lost quittiert Underwood seine Degradierung durch den Präsidenten, der ihn nicht als Außenminister wollte mit Boßheit und Verachtung.
00:03:45: Mellis and the Stain heißt es beim Milken.
00:03:50: Kontrafakturen der Religion.
00:03:53: Wie es um diesen zivilisierten Teufler aber bestellt ist, zeigt sich in House of Cards immer dann wenn er aus dem politischen Raum heraus und den Sakrale Räume eintritt.
00:04:02: Viermal geschieht das Innerheit der ersten drei Staffeln – und jedes Mal hat es mit der Invasion der Politik an die Religion eine besondere Bewandtnis.
00:04:10: Die europäische Aufklärung mit ihrem Kernprinzip der Gewaltenteilung ist in dem evangelikal geprägten Süden und mittleren Westen Amerikas nicht angekommen.
00:04:19: Hier gingen geistliche und weltliche Machtansprüche ineinander über.
00:04:23: Das Fromme-und das aufgeklärte Amerika waren sich einig in ihrem historischen Sendungsbewusstsein, sagt Heinrich August Winkler und Volkert, wollte er kaum nicht bis zum Bibel
00:04:32: beirrt.".
00:04:33: Ein Anderwurz-Weg nach oben ist abzulesen, was geschieht wenn religiöse Codes von ritualen politischer Gewalt kassiert werden.
00:04:40: Und Anderwoods Anspruch als Gefallener und sich rechender Gott wird eben dann sichtbar, wenn er in die Kirche geht!
00:04:47: Die erste Kirchen Szene spielt in der ersten Episode der ersten Staffel.
00:04:51: Die neu oder wiedergewählten Kongressfrauen und Kongressmänner hören in der Kirche eine Predigt über Bescheidenheit ausgehend vom Demateus Zitat «Wer sich selbst erhöht, wird er niedrigt.» und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
00:05:05: Underwoods sekularisiert und simuliert nur den zweiten Teil des Zitats.
00:05:09: Vor der Kirche erheuchelt er dem Parteigenossen – die Bedauern das er als Ministerkandidat übergangen worden ist – Bescheidenheit vor, damit die simulierte etwas.
00:05:18: Er gibt vor nicht zu haben was es tatsächlich hat?
00:05:22: Einen radikalen Macht willen.
00:05:24: Sein wahrer Plan ist es, sich mittels Komplot- und Korruptionen zu erhöhen.
00:05:29: Underwoods zweiten Kirchenbesuch sehen wir in der dritten Episode.
00:05:32: Dieses Mal ist er an seinem Wahlbezirk South Carolina, dort steht der Wasserturm The Peachwood dessen überdimensionale Pfirsichform zweideutiger Assoziationen weckt.
00:05:43: Die siebzehnjährige Jessica Masters verunglückt bei einem Autounfall tödlich weil sie während der Fahrt eine SMS über das obszöne Objekt an ihren Freund schreibt und dabei von der Fahrbahn abkommt.
00:05:54: Underwood bittet den Reverend bei der Trauerfeier der Gemeinde sprechen zu dürfen.
00:05:58: Dabei simuliert Underwood und täuscht vor, etwas zu haben das er in Wirklichkeit nicht hat.
00:06:03: Hass auf Gott der unschuldige Leben opfert!
00:06:06: Wut angesichts Gottes vermeintliche
00:06:08: Herzlosigkeit.".
00:06:10: Zu den Eltern des Unfallopfers gewandt beklagte ihn frühen Tod des eigenen Vaters aber dann mit Blick in die Kamera und somit an das Fernsehpublikum gewandth erzählt er uns wie sehr er seinen Vater verachtet hat.
00:06:23: Im Finale von Staffel eins sehen wir Frank Underwood zum dritten Mal in der Kirche dieses mal allein.
00:06:28: Er hat zuvor seinen ersten Mord begangen und den für ihn durch Alkoholkrankheit unberechenbar und gefährlich gewordenen Abgeordneten Peter Russo mit Autoabgasen vergiftet.
00:06:39: Im Altarraum klagt Anderward Gott an, und fragt wozu unser Glaube gut sei wenn er der härtesten Prüfung nicht standhalte.
00:06:46: Vor dem Kreuz stehend hält er fest, Gott habe ihm nie geantwortet aber obwohl sich beide verachten würden könne er ihm sein Schweigen nicht verübeln.
00:06:55: Dann wendet er sich nach unten und fragt in Teufel, ob wenigstens er ihn hören könne.
00:07:00: Als er ein Gespräch hört, wehnt er den Geist des toten Russo im Raum.
00:07:04: Es ist – so ist kurz darauf zu sehen – nur der Fensterputzer.
00:07:08: Schließlich kniet er nieder und spricht ein nihilistisches Gebet.
00:07:11: «Es gibt keinen Trost wieder oben noch unten, nur uns finstere Erdlinge!
00:07:17: Wir kämpfen und vernichten uns gegenseitig.
00:07:19: Ich bete zu mir selbst für mich selbst.».
00:07:23: Die wichtigste Kirchenszene findet in der vierten Episode der dritten Staffel statt.
00:07:28: Underwood ist nach dem vorzeitigen Rücktritt Walkers, inzwischen ungewählter Präsident.
00:07:33: Auf dem Nationalfriedhof in Arlington nimmt er an der Beisetzung von drei gefallenen Elite-Soldaten der US Navy Seals teil.
00:07:40: Der Prediger deutet Abrahams Sohnesopfer als göttliches Gebot von Hingabe, Opferbereitschaft und Liebe – Underwood versteht politische Gerechtigkeit anders!
00:07:49: Er bestellt den Prediger, der zugleich Bischof ist, in dessen Kirche.
00:07:53: Der Bischer verinnert dem Präsidenten an seine Pflicht, nicht Macht um ihrer Selbstwellen selbst auszuüben sondern Gott zu dienen und adressiert die Gerechtigkeitsfrage an den gekreuzigten.
00:08:03: Jesus lehre uns Gott zu lieben untereinander.
00:08:06: Underwood antwortet mit einem impliziten Mordgeständnis – Ich kann nicht die mein schon lieben dich töte!
00:08:14: Dann zum vermeintlichen Gebet allein gelassen nähert sich Underwood im Kreuz.
00:08:20: Dabei stürzt die Porzellanfigur vom Kreuz und zerschellt am Boden.
00:08:24: Das zersherbte Ohr der kreuzes Figur von Boden klaubend kommentiert Underwood zynisch, jetzt muss mir Gott sein Ohr leihen.
00:08:32: Religionsmissbrauch als Politik ohne Gottesbezug.
00:08:36: Underwood als destruktive Figur in der Kirche sorgt für die schlimmst mögliche Wendung der Geschichte.
00:08:42: Er dient der Serie als Unhappy End-Provider.
00:08:46: In der letzten Staffel von House of Cards sind die demokratischen Kontrollinstanzen entmachtet Die amerikanischen Ideale entzaubert, die Kritiker zum Verstummen gebracht.
00:08:55: Und an der Stelle des Präsidenten, der an den Folgen eines Attentats gestorben ist, sehen wir seine Frau Claire Underwood, deren Herrschsucht das Vermächtnis ihres Mannes noch überbietet.
00:09:06: In der Kirche hingegen sehen wir diese Präsidentin nicht mehr!
00:09:09: Auch die religiösen Rituale – die Vereidigung des Präsidentinnen auf die Bibel und die Formel So Help Me God haben in der Schlussstaffel von House of Cards
00:09:17: ausgespielt.".
00:09:18: Was bleibt, ist das reale Porträt der fiktiven Figur des sechsohnvierzigsten Präsidenten Anderwood gemalt von dem britischen Künstler Jonathan Yeo.
00:09:27: Das im Februar zweitausendsehntzehn für acht Monate im Foyer der Smithsonian National Portrait Gallery in Washington D.C.
00:09:33: ausgestellt wurde – das Porträr eines Politikers als gottloser alter Mann über den Autor Michael Braun geboren nineteenhundertsechzig in Simmarat Literaturreferent der Konrad Adenauer Stiftung Außerplanmäßiger Professor für neuere deutsche Literatur und ihre Dedaktik Universität zu Köln, gelesen von David Endres.
00:09:58: Die politische Meinung – neutral geht gar nicht!
00:10:06: Ein Audio-Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.