„Ein Vorbild für mich“
Shownotes
Im Nachruf von Karin Prien wird Rita Süssmuth als prägende Gestalt der deutschen Frauen-, Familien- und Demokratiepolitik gewürdigt. Der Text zeigt, wie ihr Einsatz für Gleichstellung, Parität und gesellschaftlichen Zusammenhalt bis heute nachwirkt. Persönliche Erinnerungen verbinden sich mit einem politischen Vermächtnis, das weit über ihre Zeit hinausreicht. So entsteht das eindrucksvolle Porträt einer Frau, die Vorbild, Brückenbauerin und bleibende Stimme der Demokratie war.
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00:00:00: Ein Vorbild für mich.
00:00:02: Zum Tode von Rita Süßmuth, geboren siebzehnte Februar, nineteenhundertsehntunddreißig in Wuppertal gestorben.
00:00:09: erster Februar zweitausendsechsundzwanzig in Neuß Von Karin Prien.
00:00:17: Am ersten Februar, im Alter von achtundachtzig Jahren ist Rita Süßmuth gestorben.
00:00:24: Sie war für viele Frauen ein Vorbild – auch für mich!
00:00:28: Weil sie in bester Weise streitbar und zugleich eine Brückenbauerin war.
00:00:32: Zum ersten Mal habe ich Rita Süssmuth auf dem Essener Parteitag der CDU im März nineteenhundert fünfundachzig getroffen.
00:00:41: Im Mittelpunkt des Parteitages stand die Frauenpolitik.
00:00:45: Für die CDU war das ein Wendepunkt, für mich war dieser Parteitag prägend!
00:00:51: Ich war zwanzig Jahre alt, Jurastudentin in Bonn und beeindruckt von den Diskussionen und der Entschlossenheit von Rita Süßmuth und ihren Mitstreiterinnen.
00:01:02: Mich hat die damalige Aufbruchsstimmung meiner Partei näher gebracht – Rita Süssmuth hat viel dazu beigetragen.
00:01:09: Mich hat fasziniert, wie sie sich als Frau in einer insgesamt Männerdominierten verknöcherten Politikwelt Gehör und Achtung verschafft hat.
00:01:19: Sechs Monate nach dem Parteitag wurde Rita Süßmuth Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit.
00:01:27: Sie setzte sich konsequent für eine moderne Familien- und Gesellschaftspolitik ein.
00:01:32: So wurden noch im selben Jahr die von ihrem Amtsvorgänger initiierten Gesetze über Erziehungsgeld und Erziehungsurlaub verabschiedet.
00:01:41: Damit hatten erstmals alle Mütter und Väter, die ihr neugeborenes Kind selbst betreuten einen Anspruch auf Erziehunsgeld- und Erziehungsurlaub.
00:01:51: Außerdem erreichte Rita Süßmut die Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung sowie eine deutliche Anhebung des steuerlichen Kinderfreibetrages.
00:02:02: Das bedeutete eine bessere Absicherung für Frauen und weniger Abhängigkeit von ihren Ehemännern.
00:02:15: Im folgenden Jahr hat sie das Ressort um die Zuständigkeit für Frauen erweitert.
00:02:20: Das war ihr sehr wichtig!
00:02:22: Seinerzeit sagte sie, Frauenthemen behandeln nicht die Probleme einer Randgruppe.
00:02:28: Frauen stellen nicht nur die Mehrheit der Bevölkerung in der Bundesrepublik – genau fifty-fünfzig Komma zwei Prozent und immerhin fünfzig Prozent der Wähler.
00:02:39: Die Frauenfrage selbst betrifft auch keineswegs die Frauen allein.
00:02:43: Meine These lautet, die Frauenfrage ist eines der entscheidenden gesellschaftlichen Probleme.
00:02:49: von ihrer Lösung hängt ab wie wir alle in Zukunft miteinander leben werden kämpfen und bewegen.
00:02:56: Frauen reden.
00:02:57: Freiburg im Breisgau.
00:03:01: Umgesetzt hat sie diesen Anspruch zum Beispiel durch die Richtlinie zur beruflichen Förderung von Frauen in der Bundesverwaltung.
00:03:10: Das Kabinett hat diese Richtlinien newtzehnhundertsechsundachtzig beschlossen, um den Anteil von Frauen an der Bundes-Verwaltung zu fördern.
00:03:18: Im April nineteenhundert acht und achtzig fand er erste informelle Fraunministerrat der europäischen Gemeinschaften in der Bundessrepublik Deutschland statt.
00:03:29: Frau Ministerin – immer einen Schritt voraus.
00:03:33: Rita Süßmuth war die erste Frauenministerin auf Bundesebene, eine kleine Geschichte darüber vermittelt auch die Fotogalerie im heutigen Bundesministerium.
00:03:44: Sie ist die erste Ministerin, die als Frauministerin in Erscheinung trat.
00:03:49: Ihre Vorgängerinnen waren noch Frau-Minister.
00:03:52: Auch damit ging sie einen Schritt weiter als andere.
00:03:56: In den Jahrzehnten danach wurde für die Gleichstellung der Frauen sehr viel erreicht.
00:04:01: Ich bin überzeugt, ohne Rita Süßmutz Impulse wären wir heute nicht da wo wir sind.
00:04:07: Bei allen Erfolgen gibt es jedoch noch viel zu tun.
00:04:11: Besonders wünsche ich mir noch mehr Frauen in der Kommunalpolitik.
00:04:15: Heute beträgt der Anteil von Frauen im Bürgermeisteramt dreizehn Komma fünf Prozent.
00:04:21: Das ist viel zu wenig.
00:04:23: Ich bin überzeugt, dass die Perspektive von Frauen in einer Kommune gebraucht wird.
00:04:28: Darum würde ich das Bundesfrauenministerium mit dem einmal in der Legislaturperiode vergebenen Helene Weberpreis herausragendes kommunalpolitisches Engagement von Frauen.
00:04:50: Beim Staatsakt für Rita Süßmuth am vierundzwanzigsten Februar, zwei Tausendsechs und zwanzig würdigte der Journalist- und Publizist Heribert Brandtel ihr Wirken – und stellte sie in eine Reihe mit den Vier Müttern des Grundgesetzes.
00:05:05: Auch im Ministerium wird diese Verbindung sichtbar!
00:05:09: Neben dem Raum, der nach Elisabeth Selbert benannt ist, erinnert nun ein weiterer an Rita Süssmuth Zwei-tausendfünfundzwanzig.
00:05:18: Bessere Bildung, starke Familien, resiliente Demokratie.
00:05:23: Rita Süßmuth wollte ausdrücklich für Frauen zuständig sein.
00:05:27: Vierzig Jahre später habe ich mich dafür eingesetzt den Bereich Bildung in die Aufgaben des Ministeriums mit aufzunehmen.
00:05:35: Ja, Bildung ist die Schicksalsfrage in Deutschland.
00:05:38: Wenn laut verschiedenen Studien ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland die Grundschule verlässt ohne ausreichend rechnen lesen und schreiben zu können dann ist das alarmierend.
00:05:51: Darum denken wir erstmals.
00:05:52: Bildung auch auf Bundesebene von Anfang an.
00:05:55: Von der frühkindlichen Bildung in Familie und Kita über die allgemeinbildenden Schulen bis zur beruflichen Bildungs- und dem lebenslangen Lernen!
00:06:05: Ich werbe für einen gelingenden Bildungsföderalismus, ich bin überzeugt!
00:06:11: Bildungsfragen sind gesellschaftliche Zukunftsfragen.
00:06:14: Darum hat das neue Ministerium seine Arbeit unter den Dreiklang gestellt.
00:06:19: Bessere Bildung, starke Familien, resiliente Demokratie – Rita Süßmuth war Professorin für Erziehungswissenschaft.
00:06:28: Als sie in die Politik wechselte, war ihr die Expertise von Fachleuten weiterhin wichtig.
00:06:34: Dies zeigte sich an ihrem Wirken als erste Vorsitzende des damaligen Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration.
00:06:44: Auch ich bin überzeugt, Politik braucht fundierte Beratung, evidenzbasierte Entscheidungen und den engen Austausch mit Fachleuten.
00:06:53: Nur so lassen sich wirksame Lösungen für die Menschen entwickeln – und das Vertrauen in unsere Institutionen stärken!
00:07:00: Im Laufe der Jahre sind Rita Süßmut und Ich uns bei Parteitagen und Kongressen immer wieder begegnet.
00:07:07: Die Kontakte wurden häufiger.
00:07:09: Je mehr ich mich in der Politik engagierte, gern rief sie mich an vor allem um mich zu motivieren.
00:07:16: Zuletzt hat sie mich im September zwei tausend fünfundzwanzig besucht.
00:07:20: da kam sie ins Ministerium nach Berlin und setzte sich auf mein Sofa.
00:07:25: Sie hat mich freundlich aber bestimmt dazu ermahnt beim Kampf für die Parität nicht nachzulassen und voranzugehen.
00:07:32: das habe Ich ihr versprochen denn von ihrer Bedeutung bin auch ich überzeugt Parität.
00:07:38: Und was ist das Vermächtnis von Rita Süßmuth?
00:07:41: Die Gespräche mit Rita Süssmuth waren für mich immer wichtige Impulse, weil ihr stets das Gemeinsame – das Verbindende so am Herzen lag!
00:07:51: Einmal hat sie gesagt, ich finde wichtig dass Demokraten lernen, dass wir zusammen gehören und wie uns nicht auseinander dividieren lassen, dass Wir an gemeinsamen Zielen mit unterschiedlichen Positionen arbeiten.
00:08:05: Das ist aktueller Dennier.
00:08:08: Darum hat das Bundesministerium auch seit einigen Jahren eine eigene Abteilung für Demokratie und Engagement.
00:08:15: Ob Demokratieförderung, Extremismusprävention oder Freiwilligendienste – diese Themen sind heute eine wichtige Säule innerhalb der Arbeit des Ministeriums!
00:08:26: Mich hat beeindruckt, wie Rita Süßmuth bis ins hohe Alter trotz körperlicher Einschränkungen weitergemacht hat.
00:08:33: Auch wenn ihr das Sprechen schwerer fiel meldete sie sich zu Wort so oft es ihr erforderlich schien.
00:08:39: Sie blieb eine Stimme die gehört wurde.
00:08:41: Sie wurde nicht müde leidenschaftlich für Parität und Demokratie zu werben.
00:08:46: Zuletzt hat Rita Süssmuth mir Ende November zwei tausend fünfundzwanzig geschrieben.
00:08:52: auch da ging es ihr um ihre Initiative Parität.
00:08:56: jetzt, sie schrieb mir.
00:08:58: Wir brauchen in unserer Demokratie mehr Teilhabe und Sichtbarkeit von Frauen – und das heißt nichts weniger als Parität in den Parlamenten!
00:09:08: Sie bat mich am Aktionstag für eine gleichberechtigte Teilhube von Frauen in der Politik am vierundzwanzigsten Juni-Zweitausendsechsundzwantzig zu sprechen.
00:09:19: Das habe ich ihr versprochen.
00:09:20: Und das werde ich selbstverständlich uns sehr gern tun.
00:09:24: ändern wir, was wir ändern können.
00:09:27: Treffend fassen es ihre Worte aus ihrer Rede vom siebzehnten Januar.
00:09:31: zwei Tausend neunzehn im Deutschen Bundestag anlässlich von einhundert Jahre Frauenwahlrecht zusammen.
00:09:39: Damals sagte sie Jetzt ist der nächste Schritt die Parität!
00:09:43: Wie kommen wir wieder zu mehr aktiver Beteiligung der Frauen?
00:09:47: Das mag manchen nicht stören aber einen Großteil von uns Frauen stört das sehr.
00:09:51: Wir werden dabei nicht bleiben Denn es ist nicht nur eine fraunrechtliche, sondern eine Demokratiefrage.
00:09:58: Das betrifft unsere Zukunft – ändern wir was wir ändern können!
00:10:13: Karin Prien, geboren in Amsterdamm.
00:10:18: Stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU seit im Jahr- und Jahrzehnte für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
00:10:28: Die politische Meinung – neutral geht gar nicht!