Die Brücke heißt Vertrauen

Shownotes

Antoinette Weibel erläutert, wie Vertrauen in Betrieben entsteht und warum Unternehmen heute entscheidend dafür sind, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Sie zeigt, dass faire Führung, klare Regeln, materielle Sicherheit und echte Entscheidungsspielräume soziales Kapital fördern, während Kontrolle und Konkurrenz es eher zerstören. Der Betrieb wird damit zu einem zentralen Ort, an dem Vertrauen täglich gelernt oder verlernt wird. Ein wichtiger Impuls dafür, wie Arbeit weit über wirtschaftliche Leistung hinaus Gesellschaft prägt.

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00:00:00: Die Brücke heißt Vertrauen.

00:00:02: Wie Betriebe soziales Kapital erzeugen oder zerstören?

00:00:07: Von Antoinette Weibel.

00:00:10: An einem Dienstagmorgen in einer deutschen Großstadt stehen ein paar Männer an einer Straßenecke und warten auf Arbeit.

00:00:17: Wir sind wie Luft, sagt eine von ihnen.

00:00:20: Ohne uns läuft nichts aber keiner sieht uns.

00:00:23: Nur ein paar Kilometer weiter sitzt der Vertreter eines anderen Milieus auf der Terrasse eines Golfklubs.

00:00:28: Ein Mitglied erzählt bei einem Glas Weißwein, es wäre immer schwieriger sich mit Menschen zu unterhalten die die Welt völlig anders sehen.

00:00:36: und hier wisse man wie man tickt.

00:00:38: Verdichtete Beobachtungen aber keine Ausnahmen.

00:00:42: Sie beschreiben eine Gesellschaft die sich in getrennte Welten zurückzieht und dabei das Vertrauen verliert welches sie zusammenhält.

00:00:58: Wer anders denkt, anders lebt, anders informiert ist wird nicht nur mit Skepsis betrachtet.

00:01:04: Er wird herabgesetzt.

00:01:06: Verschiedene repräsentative Studien zeigen dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung langzeitarbeitslose abwertet.

00:01:13: teils mehr als ein Drittel teilt sogar über die Hälfte der Befragten.

00:01:17: Das Vielfalsbarometer, der Robert Bosch-Stiftung, zeigt Ähnliches für Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung, Religionszugehörigkeit und Ethnier.

00:01:29: Das ist kein Meinungsunterschied – das ist der schleichende Zerfall sozialen Kapitals!

00:01:34: Durchschnittswerte verbergen das.

00:01:36: Deutschland vertraut seiner Justiz, seinen Arbeitgebern und seine Nachbarn im internationalen Vergleich solide.

00:01:43: Aber Mittelwerte maskieren.

00:01:45: Dahinter driftet eine Gesellschaft entlang soziökonomischer Linien auseinander.

00:01:50: Wer gut ausgebildet und situiert ist, hat erfahren, dass Institutionen für ihn funktionieren – und vertraut ihnen entsprechend!

00:01:58: Wer es nicht isst, hat das Aufstiegsversprechen aufgegeben.

00:02:02: Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung glauben fortyfünf Prozent der Beschäftigten nicht mehr daran durch Arbeit aufzusteigen.

00:02:10: Ein Mangel an Hoffnung verstärkt die Risse in der Gesellschaft.

00:02:14: Was dabei am meisten beunruhigt, ist nicht die Straße.

00:02:17: Es ist der Betrieb.

00:02:19: Organisationen sind keine Inseln – sie atmen gesellschaftliche Spannungen ein und ohne bewusste Gegenkraft verstärken Sie diese noch!

00:02:27: Das wiegt besonders schwer denn der Betrieb war über Jahrzehnte einer der wenigen gesellschaftlichen Orte an denen Menschen unterschiedlicher Herkunftsbildung und Klasse täglich zusammenarbeiten mussten und gerade dadurch Vertrauen entstehen konnte….

00:02:41: Diese Verbundenheit schu vertrauen und damit soziales Kapital.

00:02:46: Netzwerke gegenseitiger Verlässlichkeit, die Gesellschaften zusammenhalten Beides erodiert gerade allem voran.

00:02:54: Vertrauen Haltung an der Spitze!

00:02:58: Vertrauen eröffnet Wege unsere Verletzlichkeit im Umgang mit anderen Menschen nicht nur auszuhalten sondern in gemeinsames Handeln zu übersetzen.

00:03:07: Vertrauen entsteht, wenn wir in Bezug auf den anderen Menschen oder auch die Institution mit der wir es zu tun haben von einem guten Ende ausgehen.

00:03:15: Darauf bauen das unser Gegenüber unsere Verletzlichkeit nicht ausnutzen wird sondern seinerseits in dem gegenseitigen Austausch findet eine Annahme, die jenseits der eigenen Bubble gerade verloren geht.

00:03:27: was dann bleibt ist Kontrolle- oder Strafandrohung.

00:03:31: beides ist nicht nur teuer Es verstärkt genau die Risse die es kitten soll.

00:03:36: Vertrauen ineinander entsteht dadurch, dass wir vertrauen.

00:03:39: Fünf Bedingungen können Betriebe schaffen um diesen Schritt zu ermöglichen.

00:03:44: Vertrauen beginnt oben oder die Risse im System sind bereits vorprogrammiert.

00:03:49: Mitarbeitende müssen sich auf die Geschäftsleitung verlassen und größere Macht bedeutet größere Risiken für die weniger mächtigen.

00:03:57: Vor allem aber übersetzen Führungspersönlichkeiten ihr Weltbild in Management-Praktiken und Steuerungslogik und machen es damit zur Norm.

00:04:05: Zwei Befunde beleuchten, warum gute Haltung an der Spitze heute eher mangelwahre ist.

00:04:10: Erstens zeigt die Insolaritätsbefragung des Edelmann Trust Barometer two-tausendzechsundzwanzig das höheres Management mindestens so klar zur Abschottung neigt wie die übrige Belegschaft.

00:04:22: Gesehen, gemocht und befördert werden eher Menschen, die dem Vorgesetzten ähneln.

00:04:27: Ähnlichkeit wird meist als Kompetenz gewertet.

00:04:30: Zweitens scheint Hybris in der Chefetage weiter verbreitete als Demut.

00:04:34: Der Meritokratie-Glaube befeuert Hybris.

00:04:37: Wer überzeugt ist, dass Erfolg verdient ist und Leistung sich durchsetzt, verdrängt das Herkunft und Zufall immer mitgespielt haben.

00:04:45: Augustinus erinnert daran, dass Verdienst ohne Demut leicht in Selbsttäuschung umschlägt.

00:04:50: Demut hingegen wäre der Garant dafür, dass man sich erinnern Solidarität mit und Vertrauen in die Belegschaft empfindet.

00:04:58: Notwendig wäre ein schärferer Blick bei Beförderungsentscheidungen.

00:05:02: Wer nur auf Leistungskennzahlen schaut und Unhöflichkeit toleriert, befördert systematisch die Falschen.

00:05:08: Und Zweistellige bis teils über hundertfache Lohnrelationen zwischen Vorstand- und Belegschaft tun ein übriges.

00:05:15: Sie ziehen nazistische Persönlichkeiten an lange bevor die erste Stelle ausgeschrieben ist.

00:05:20: Gute Bürokratie, schlechte Bürokritie.

00:05:23: Das Gegenteil von Bürokrate ist nicht Freiheit!

00:05:26: Es ist Willkür und Willkühr trifft immer zuerst diejenigen, die keine Netzwerke haben – kein Vitamin B, keine informellen Kanäle zur Chef-Itage.

00:05:36: Max Weber hat gewusst, klare Regeln und Prozesse, die Entscheidungen sichtbar machen sind kein bürokratischer Selbstzweck.

00:05:43: Sie sind Schutz.

00:05:44: Schutz vor intransparenter Ferienplanung, willkürlichen Beurteilungen und unklaren Beförderungskriterien.

00:05:52: Die moderne Fairness-Forschung bestätigt das – klare für alle gleich geltende und faktenorientierte Verfahren stärken Vertrauen sowohl in den Arbeitgeber als auch in die Kollegen.

00:06:03: Nicht weil Regeln per se vertrauensbildend wären sondern weil sie signalisieren hier gilt ein Rahmen für alle nicht die Seilschaft für wenige.

00:06:12: Regeln können auch das Gegenteil bewirken.

00:06:15: Wenn Bürokratie sich selbst genügt, wenn Mikromanagement zur Methode wird und Prozesse Menschen das Gefühl geben nicht vertrauenswürdig zu sein zerstören sie genau das was Sie schützen sollten.

00:06:26: Wenige Länder kennen beide Varianten so gut wie Deutschland Weltmeister der Bürokrateedichte und zugleich Erbe einer Rechtsstaatlichkeit die Millionen von Menschen über Jahrzehnte verlässlichen Schutz geboten hat.

00:06:38: Der Unterschied liegt nicht nur in der Menge der Vorschriften, sondern vor allem in ihrer Ausrichtung.

00:06:43: Dienst die Regel den Menschen oder dient der Mensch der Regel?

00:06:48: Ressourcen und Resonanz?

00:06:50: Vertrauen benötigt auch materielle Grundlagen.

00:06:53: Ein anständiger Lohn, der nicht zur Frage zwingt ob es diesen Monat überhaupt für die Miete reicht ist keine Großzügigkeit.

00:07:00: Es ist eine Grundbedingungen dafür dass ich mein Verletzlichkeitskonto nicht aufbrauche.

00:07:05: Wer existenzielle Angst hat, sucht Sicherheit anderswo.

00:07:09: Materielle Sicherheit allein reicht nicht.

00:07:11: Druck und die ständige Notwendigkeit sich zu behaupten verringern, die Bereitschaft auf andere zuzugehen.

00:07:17: Ein kontraintuitiver Befund aus dem Edelmann Trust Barometer zeigt das.

00:07:21: Führungskräfte werden andersartig stärker ab als die übrigen Belegschaft – nicht trotz ihrer Position sondern oft gerade wegen ihr!

00:07:30: Wer viel zu verlieren hat, Identitäts-, Gesicht- und Status neigt unter Druck dazu, Grenzen schärfer zu ziehen.

00:07:37: Und wer nach oben härter als Durchsetzungsstärke zeigt, sendet nach unten ein eindeutiges Signal darüber was hier zählt.

00:07:45: Neben Sicherheit brauchen Menschen auch Resonanz.

00:07:47: Hartmut Rosa hat er für den Begriff geprägt die Erfahrung das die eigene Arbeit etwas bewirkt dass man gehört wird und eine Antwort bekommt von der Arbeit selbst – von Kolleginnen von Vorgesetzten.

00:08:00: Resonanz ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit und sie ist wie Hans Rosineck in diesem Heft zeigt erschreckend selten.

00:08:07: Unternehmen, die nur in Effizienz denken, optimieren systematisch die Resonanzerfahrung heraus – was bleibt sind Menschen, die funktionieren aber nicht mehr dazu gehören!

00:08:18: Kein Taubentraining.

00:08:20: Taubentreining.

00:08:21: der Versuch mitarbeitende wie Tauben auf Leistung zu trimmen feiert gerade wieder ein Revival.

00:08:26: Wer Mitarbeitende konditioniert, hat das Vertrauen schon aufgegeben bevor er es einfordert.

00:08:32: Denn Konditionierung setzt voraus dass Menschen ohne externen Anreiz das Falsche tun, da sie sich selbst überlassen bummeln schummeln oder schlicht das Minimum leisten mit dem einzigen Unterschied das Tauben wenigstens nicht merken was mit ihnen gemacht wird.

00:08:46: Modernes Leistungsmanagement basiert genau auf diesem Bild.

00:08:50: Beliebte Instrumente sind Zielsetzungen, immer ehrgeizig, immer präziser.

00:08:55: Leistungsbewertungen die auf Reihung oder scheingenaue Quantifizierung setzen und leistungsvariable Löhne – die berühmten Karotten für den Esel!

00:09:04: Diese Instrumen bringen zwar kurzfristigen Anschub, zerstören jedoch langfristig Eigenantrieb mit Denken-und Umdenken und geben der Organisation damit selbst den Grund weniger zu vertrauen.

00:09:15: Der Analyse- und Beratungsunternehmen Gallup belegt es kein Faulheits, sondern ein Konditionierungsbefund.

00:09:22: Rund drei Viertel der Belegschaft leistendienst nach Vorschrift.

00:09:26: Dazu kommt ein zweiter Mechanismus – wer im Wettbewerb um Karotten steht schaut auf den Kollegen als Konkurrenten nicht als Verbündeten!

00:09:35: Wer konkurriert kooperiert nicht.

00:09:37: das verdrängt Teamleistung und Solidarität ebenso gegenüber Kollegen wie gegenüber dem gemeinsamen Unternehmensziel.

00:09:45: Die Gräben, die wir gesellschaftlich beobachten werden im Betrieb täglich neu gezogen.

00:09:50: Raum für Urteilskraft.

00:09:52: Der US-amerikanische Soziologe Richard Sennert hat diagnostiziert, dass wir systematisch jene Intelligenz entwerten, die nicht in Key Performance Indicators, in messbare Leistungskennzahlen, die den Erfolg von Geschäftsaktivitäten, Strategien und Projekten bewerten passt – Was dabei verloren geht, hat Aristotel es präziser benannt.

00:10:17: Die Fähigkeit zu handeln nicht nur herzustellen.

00:10:21: Handeln im Unterschied zum bloßen Herstellen erfordert Urteilskraft.

00:10:25: die Kompetenz in konkreten Situationen mit anderen Menschen das Richtige zu erkennen und zu tun.

00:10:32: Eine Folge, die kaum je benannt wird.

00:10:34: Wer nie urteilen darf verlernt auf andere einzugehen?

00:10:38: Urteilskraft ist nicht nur eine kognitive Fähigkeit sie ist eine soziale Und wer gelernt hat, was das Gegenüber bewegt und wie man bei widersprüchlichen Interessen Lösungen findet kann andersartigkeit aushalten.

00:10:51: Und Vertrauen aufbauen!

00:10:54: Menschenkenntnis entsteht nicht durch Anweisung.

00:10:56: sie entsteht durch Übung in Tätigkeiten die Urteilskraft fordern und zulassen.

00:11:02: Mehr noch, wer nie urteilen darf, reift nicht.

00:11:05: Menschen, denen in Spielräume systematisch entzogen werden, entwickeln weder Verantwortung noch die Fähigkeit Widersprüche auszuhalten oder sich auf andere einzulassen.

00:11:15: Betriebe, die ihren Mitarbeitenden Entscheidungsspielräume zurückgeben schaffen Bedingungen unter denen Menschen ganz werden können und wer ganz ist hat etwas zu geben – auch in einer Vertrauensbeziehung.

00:11:28: Haltung, faire Regeln, Ressourcen Kein Taubentraining, Räume für Urteilskraft.

00:11:34: Das sind keine Führungsrezepte – das sind die Bedingungen unter denen Menschen bereit werden einander zu vertrauen und damit die Bedenkungen unter den Betrieben das leisten können was Gesellschaften gerade dringend brauchen.

00:11:47: Die Einenundachtzig Prozent die nur noch dienen Vertrauen die ihnen ähnlich sind.

00:11:52: sie arbeiten irgendwo.

00:11:54: Die Frage ist was dort mit ihnen passiert?

00:11:57: Demokratie braucht Infrastruktur, Straßen, Schulen Gerichte und Betriebe in denen Menschen täglich üben einander zu vertrauen.

00:12:06: Organisationen die dies ermöglichen sind mehr als Akteure.

00:12:10: Sie sind Orte an denen Gesellschaft noch gelingen kann Und solche die es verhindern tragen ihren Teil dazu bei dass sie es nicht mehr tut.

00:12:19: Über die Autorin Die politische Meinung.

00:12:41: Neutral geht gar nicht!

00:12:47: Ein Audio-Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.